Aktionen und Ausstellung machen fairen Handel in Jena sichtbar
Die Stadt Jena trägt auch in den kommenden zwei Jahren den Titel Fairtrade-Stadt. Fairtrade Deutschland e. V. hat die Auszeichnung erneut bestätigt und würdigt damit das langjährige Engagement der Stadt für fairen Handel, nachhaltigen Konsum und globale Verantwortung. Die Rezertifizierung nahm die Stadt gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern zum Anlass, das Engagement für den fairen Handel mit einer Ausstellung und einer Mitmachveranstaltung öffentlich sichtbar zu machen.
Auszeichnung als Anerkennung für langjähriges Engagement
Den Auftakt bildete die Vernissage „Fairer Handel verbindet – von Nicaragua bis Jena“ in der Rathausdiele. Zahlreiche Gäste aus Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft sowie verschiedenen Initiativen und Organisationen kamen zusammen, um die erneute Auszeichnung zu feiern und sich über die vielfältigen Facetten des Fairen Handels auszutauschen.
In Ihrem Grußwort betonte die Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima, Kathleen Lützkendorf, die Bedeutung des gemeinsamen Engagements: „Die erneute Auszeichnung zeigt, dass fairer Handel in Jena dauerhaft verankert ist. Dieses Engagement wird nicht allein von der Stadtverwaltung getragen, sondern lebt vom Einsatz vieler Menschen – in Vereinen, Bildungseinrichtungen, Kirchengemeinden, Unternehmen und Initiativen. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank.“
Wie vielfältig dieses Engagement ist, zeigen zahlreiche Projekte der vergangenen Jahre. Dazu zählen unter anderem das Möhrchenheft für Grundschulen, die digitale Wandelkarte, die Auszeichnung Fairer Kitas und Schulen, der fair gehandelte Stadtkaffee „San Jena“ sowie die langjährige Städtepartnerschaft mit San Marcos in Nicaragua.
Diese Partnerschaft bildete auch einen Schwerpunkt der Ausstellung. Sie verdeutlichte, wie fairer Handel, kommunale Entwicklungszusammenarbeit und Klimagerechtigkeit zusammenwirken. Die Ausstellung zeigt außerdem die Strukturen der Fairtrade-Bewegung und verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und landwirtschaftlicher Produktion in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie veranschaulicht auch, wie Fairtrade-Produzentennetzwerke bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden und wie sich Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit für mehr Klimagerechtigkeit engagieren.
Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsamer Koch- und Filmabend im Foodsharing-Café Jena, der von fairwertbar e. V. organisiert wurde und die Themen des Tages bei gemeinsamem Kochen, Essen und Austausch noch einmal aufgreifen ließ.
Fotoausstellung
Die Fotoausstellung ist noch bis zum 13.09.2026 in der Rathausdiele zu sehen und lädt Besucherinnen und Besucher ein, die vielfältigen Facetten des Fairen Handels und seine Bedeutung für eine nachhaltige und gerechte Entwicklung kennenzulernen.
Ein weiterer Höhepunkt der Vernissage war die Vorstellung eines biozertifizierten und fair gehandelten Kaffees aus Nicaragua, der klimafreundlich per Segelschiff nach Hamburg transportiert und anschließend im Rahmen der „Fairen Kaffeefahrt“ mit dem Fahrrad nach Jena gebracht wurde. Die Aktion verbindet fairen Handel mit klimafreundlicher Mobilität und macht nachhaltige Lieferketten anschaulich erlebbar. Organisiert wurde die Tour vom Freiberger Agenda 21 e. V.; gefördert wurde sie von Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die 13-tägige Fahrradtour führte durch acht Bundesländer und machte an 15 Orten Station – darunter auch Jena.
Faire Mode als Beitrag zu nachhaltigem Konsum
Am folgenden Tag stand mit der Mitmachveranstaltung „Faire Mode, mach mit!“ im Stadtlab Jena ein weiteres Thema des Fairen Handels im Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Eine-Welt-Netzwerk Thüringen e. V. und dem UmsonstHaus im MobB e.V. lud die Stadt dazu ein, sich mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen der globalen Textilproduktion auseinanderzusetzen. In kurzen Impulsen, Gesprächen und interaktiven Angeboten diskutierten die Teilnehmenden über faire Lieferketten, nachhaltigen Konsum und die Möglichkeiten, den eigenen Kleiderkonsum bewusster zu gestalten.
Großen Anklang fand die Kleiderverschenke-Aktion des UmsonstHauses Jena. Gut erhaltene Kleidungsstücke wechselten ihre Besitzerinnen und Besitzer und setzten ein praktisches Zeichen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Die Veranstaltung machte deutlich, dass fairer Handel und nachhaltiger Konsum bereits im Alltag beginnen und jede und jeder dazu beitragen kann.
Schokoladenwerkstatt für Kitas ergänzt die Feierlichkeiten
Ein weiteres Angebot im Rahmen der Feierlichkeiten zur erneuten Auszeichnung als Fairtrade-Stadt ist eine interaktive Schokoladenwerkstatt für Kindertagesstätten, die die Stadt Jena gemeinsam mit dem Eine-Welt-Netzwerk Thüringen e. V. (EWNT) im StadtLab Jena im November anbietet. Dabei begeben sich die Kinder auf eine spannende Entdeckungsreise entlang des Weges der Schokolade – von den Kakaoplantagen in Ländern des Globalen Südens über die Verarbeitung bis in die Supermärkte vor Ort. An verschiedenen Mitmach-Stationen lernen sie mit allen Sinnen, wie Schokolade hergestellt wird und welche Menschen an ihrer Produktion beteiligt sind. Altersgerecht werden dabei auch Themen wie fairer Handel, Kinderarbeit, nachhaltiger Konsum und globale Zusammenhänge vermittelt. Den Abschluss bildet eine kleine Schokoladenmanufaktur, in der die Kinder ihre eigene Schokolade herstellen und gestalten können. Die Schokoladenwerkstatt vermittelt spielerisch, wie fair gehandelte Produkte zu besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen beitragen können, und stärkt zugleich das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen.
Fairtrade als Teil der Jenaer Nachhaltigkeitsstrategie
Die erneute Auszeichnung versteht die Stadt zugleich als Auftrag, den fairen Handel weiter auszubauen. Geplant sind unter anderem weitere Maßnahmen zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung. Darüber hinaus soll die Fairtrade-Steuerungsgruppe stärker als enge Netzwerk weiterentwickelt werden.
Die Fairtrade-Towns-Kampagne unterstützt Kommunen dabei, die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDGs) vor Ort umzusetzen. Die Fairtrade-Towns-Auszeichnung ist deshalb auch als konkrete Maßnahme in der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Jena verankert.