Gewalt kennt kein Offline
Gewalt hat viele Gestalten. Manche davon sind digital. Sie reichen von bildbasierter sexualisierter Gewalt und Deepfakes über Cyberstalking und Hatespeech bis hin zu Doxing und offener oder heimlicher Kontrolle der Betroffenen.Die angezeigten Taten nehmen zu, obgleich weniger als fünf Prozent überhaupt zur Anzeige gebracht werden.
Anlässlich der Aktionstage zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November starten die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und die Landesgleichstellungsbeauftragte mit den regionalen Netzen gegen häusliche Gewalt die neueste und inzwischen 5. Kampagne „Handle jetzt". Unter den Motto „Schau hin" spricht diese das Umfeld von Gewaltopfern an. Ob Bekannte, Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen, Klassenkameraden oder Nachbarn: Thüringen soll hinsehen und sich nicht abwenden, wenn mit jemandem etwas nicht in Ordnung zu sein scheint. Die Gleichstellungsbeauftragten informieren dabei über wichtige Anlaufstellen in Thüringen und bundesweit und informieren, wie Menschen helfen können, ohne das Falsche zu tun bei digitaler Gewalt, zur vertraulichen Spurensicherung und bei sexualisierter Gewalt.
Landesgleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer betont: „‚Digitale Gewalt ist kein besonderes Phänomen des 21. Jahrhunderts. Sie ist die Fortsetzung patriarchaler Kontrolle und Einschüchterung, die es schon immer gegeben hat mit digitalen Mitteln. Digitale Gewalt und analoge Gewalt gehen Hand in Hand. Weder das eine noch das andere ist eine Privatangelegenheit. Straftaten müssen als solche benannt und bestraft werden. Ein Rückzug aus sozialen Medien ist keine Option, mit digitaler Gewalt umzugehen. Denn das wäre so als würde Frauen die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt sein, damit sie dort keiner sexuellen Belästigung ausgesetzt sind.“
„Gewalt gegen Frauen geht uns alle“
Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe erklärt: „Gewalt gegen Frauen ist kein Thema, bei dem wir wegsehen dürfen. Marginalisierung und Verharmlosung werden der Realität vieler Betroffener nicht gerecht. Deshalb beteiligt sich die Stadt Jena auch in diesem Jahr an ‚Handle jetzt‘. Entscheidend ist, Betroffene zu unterstützen, Hilfsangebote bekannt zu machen und auch das Umfeld dafür zu sensibilisieren, Warnzeichen ernst zu nehmen und zu handeln. Mein Dank gilt allen, die beraten, aufklären, Wissen vermitteln und konkrete Hilfe organisieren. Denn Gewalt gegen Frauen geht uns alle an. Gerade auch wir Männer sind gefordert, hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und klar Position zu beziehen. Gewalt gegen Frauen, ob körperlich, psychisch oder digital, muss klar benannt werden und darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.“
Für „Handle jetzt" wirkt fast ganz Thüringen zusammen gegen häusliche Gewalt. Die Partnerschaft der Landesgleichstellungsbeauftragen mit den Kommunen in Thüringen erreichte mit fünf jährlichen Kampagnen über 2 Mio. Kontakte zur Bevölkerung über die verschiedensten Medien, Veranstaltungen und persönlich. Die Botschaft war und bleibt: Keine Gewalt in unseren Gebieten, es gibt Hilfe bei Gewalt, in Thüringen und überregional. Handle jetzt, lass Gewalt nicht weiter zu!
Thüringenweite Aktionen und Veranstaltungen
Rund um den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen finden in ganz Thüringen außerdem Aktionen und Veranstaltungen statt. Mehr Informationen gibt es auf der Kampagnen-Webseite. Dort sind auch ganzjährig Informationen und die Kontakte zu rund 200 lokalen und überregionalen Beratungs- und Hilfsangebote zu finden.
Hintergrundinformation
Handle jetzt ist die Kooperation von Freistaat Thüringen mit: Altenburger Land, Apolda, Arnstadt, Eisenach, Erfurt, Gera, Gotha, Jena, Ilmenau, Ilm-Kreis, Kreis Weimarer Land, Kyffhäuserkreis, Landkreis Eichsfeld, Landkreis Gotha, Landkreis Greiz, Landkreis Hildburghausen, Landkreis Schmalkalden-Meiningen, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Landkreis Sömmerda, Landkreis Sonneberg, Leinefelde-Worbis, Meiningen, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld/Saale, Sondershausen, Suhl, Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis, Weimar.
Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, wird jedes Jahr am 25. November als Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen abgehalten die mit einem Aktionszeitraum zur Sensibilisierung, den sogenannten Orange-Days im November verbunden sind.
Gewalt gegen Frauen ist eine der verbreitetsten Menschenrechtsverletzungen. Sie ist ein globales Phänomen und kann überall auftreten: in jedem Land, Zuhause, im Arbeitsleben, in der Freizeit und eben auch digital.