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Jena geht neue Wege in der Eingliederungshilfe

01.09.2026

Die Stadt Jena und acht beteiligte Leistungserbringer haben heute im Historischen Rathaus die Rahmenvereinbarung und das Leitbild zum Modellprojekt »Das WIR ist stärker als das ICH« unterzeichnet.

Das Modellprojekt zur sozialraumorientierten Eingliederungshilfe für Erwachsene stellt die Bedürfnisse und den Willen von Menschen mit Teilhabebedarf stärker in den Mittelpunkt. Unterstützung soll nicht allein als Einzelfallhilfe gedacht werden. Künftig sollen auch die Möglichkeiten des jeweiligen Sozialraums – Nachbarschaften, Vereine, Initiativen, soziale Einrichtungen und andere vorhandene Netzwerke – konsequenter einbezogen und miteinander verbunden werden. 

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche zeigte sich bei der Unterzeichnung insbesondere von der Aufbruchsstimmung unter den Beteiligten beeindruckt: »Was mich heute besonders beeindruckt hat, ist die positive Energie, mit der alle Beteiligten diesen neuen Weg gemeinsam gehen wollen. Hier wurde nicht einfach eine Vereinbarung unterschrieben. Hier ist über Jahre Vertrauen gewachsen und der Wille entstanden, Dinge gemeinsam anders und besser zu machen. Genau dieses Miteinander braucht es, wenn wir Teilhabe in unserer Stadt weiter stärken wollen.«
 

Vom Einzelfall zum gemeinsamen Sozialraum

Die Stadt Jena und die beteiligten Leistungserbringer arbeiten bereits seit 2023 gemeinsam an der neuen Ausrichtung. Ausgangspunkt sind steigende Bedarfe in der Eingliederungshilfe und die Erkenntnis, dass eine reine Ausweitung bestehender einzelfallbezogener Hilfestrukturen langfristig keine ausreichende Antwort bietet. 

Sozialraumorientierung bedeutet dabei mehr als eine räumliche Aufteilung der Stadt. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Ziele, Fähigkeiten und Ressourcen der Menschen. Gleichzeitig sollen vorhandene Angebote und Netzwerke besser genutzt, miteinander verknüpft und geöffnet werden. Personenzentrierung, Selbstbestimmung und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bilden die Grundlage des gemeinsamen Handelns. 

Kathleen Lützkendorf, Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima, konnte krankheitsbedingt nicht an der Unterzeichnung teilnehmen. Sie hat die Entwicklung des Modellprojekts auf Seiten der Stadt eng begleitet und betont: »Mit dem Modellprojekt verändern wir nicht nur Strukturen, wir verändern den Blick. Wir fragen zuerst: Was will der Mensch? Was kann er selbst, was kann sein Umfeld und was können wir gemeinsam möglich machen?Über die Sozialraumorientierung stärken wir die Teilhabe der Menschen, insbesondere dort, wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Stadt und Träger gehen diesen Weg von Anfang an gemeinsam. Das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass aus einer guten Idee gelebte Praxis wird.«
 

Acht Leistungserbringer ziehen mit der Stadt an einem Strang

An dem Modellprojekt beteiligen sich Aktion Wandlungswelten, der AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen, Diako Teilhabe und Inklusion, Ein Dach für Alle e.V. Jena, Grenzenlos e.V., Hilfe zur Selbsthilfe – Begegnung Jena e.V., das SBW der Lebenshilfe Jena sowie die TSA Bildung und Soziales. 

Die Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil des Modells. Stadt und Leistungserbringer verstehen sich als Partner und entwickeln neue Angebote und Strukturen vertrauensvoll, kooperativ und transparent. Menschen mit Teilhabebedarf und ihre Vertretungen werden in den weiteren Prozess einbezogen.