Jenaer Feuerwehr im Corona-Einsatz

04.04.2020
Ein Mann in einem Lager mit vielen Kisten
Peter Schörnig im Lager

Für Peter Schörnig, den Fachdienstleiter der Feuerwehr, gibt es in diesen Wochen keine Ruhepause. Doch selten geht es in seinem turbulenten Tagesablauf wirklich um Feuer. „Brennpunkt“ ist im Moment die Beschaffung von Atemschutzmasken und Schutzkleidung für die Stadt Jena. Tausende Masken werden täglich gebraucht, um die Arbeit in den Pflegeeinrichtungen, beim Rettungsdienst, der Feuerwehr und in der Stadtverwaltung zu gewährleisten. Zusammen mit seinem Kollegen Franz Richter durchforstet Peter Schörnig den Markt nach verfügbaren und seriösen Angeboten. 

In Jena agierte das Gesundheitsamt überlegt und vorausschauend, lobt Schörnig. Im Vorfeld der jetzigen Lieferengpässe wurde rechtzeitig Schutzkleidung bestellt. So kann die Stadtverwaltung jetzt auf eigene Bestände zurückgreifen. Vor allem Kittel und mehrfach verwendbare Masken werden permanent nachgeliefert. Dennoch reichen die Mengen nicht aus, um auch die Bevölkerung mit den Gesichtsmasken zu versorgen. Hier ist die Eigeninitiative der Jenaerinnen und Jenaer gefragt.

Zwischen Krisenstabbesprechung und Telefonkonferenz nahm sich Peter Schörnig ein paar Minuten Zeit, um auf Fragen zu antworten: 

Wie deckt die Stadt Jena den großen Bedarf an Atemschutzmasken und Schutzbekleidung? Gibt es überhaupt Angebote am Markt? 

Es gibt hunderte Anbieter, die angeblich jede Art von Schutzkleidung kurzfristig liefern können. Das ist nicht glaubwürdig. Wenn sie alles liefern könnten, was sie versprechen, hätten wir keinen Mangel in diesem Bereich. Derzeit bieten viele unseriöse Firmen und Einzelpersonen die dringend benötigten Produkte an und versuchen, damit Geld zu verdienen. Es kostet uns Zeit und Mühe, ernstzunehmende Lieferanten herauszufiltern. Dennoch konnten wir bereits Schutzmasken in Größenordnungen beschaffen und an die Einrichtungen der Stadt verteilen.

Pflege- und Rettungsdienste sowie andere Dienstleister der Stadt arbeiten mit wiederverwendbaren Mund-Nasen-Bedeckungen. Woher bekommen Sie diese?

Zwei Schneidereien – in Gera und Stollberg – fertigen die Masken und Kittel für uns an. Mit der angeforderten Menge beliefern wir Pflegeheime, Rettungsdienste und andere Berufsgruppen, die für ihre Tätigkeit zwingend Mund-Nasen-Bedeckungen benötigen. Die Einrichtungen sind jetzt gefordert, Reinigungsketten aufzubauen. Denn um die strengen Hygienevorschriften einzuhalten, sind die wiederverwendbaren Masken täglich zu waschen. 

In Jena stellen sich die Menschen auf das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in öffentlichen Räumen sowie beim Wahrnehmen und Anbieten von Dienstleistungen ein. Bekommen jetzt alle eine Maske?

Wir wissen, wie wichtig Mund-Nasen-Schutz zur Eindämmung der Corona-Infektion sind. Leider ist es nicht möglich, alle Bereiche der Stadt mit diesen Masken zu versorgen. Denn auch eine Änderungsschneiderei kann nicht von heute auf morgen riesige Stückzahlen herstellen. Hier sind die Bürgerinnen und Bürger Jenas auf Privatinitiativen angewiesen. Es geht um solidarisches Handeln, damit helfen wir uns alle.

In den Pflegeeinrichtungen besteht natürlich ein kontinuierlicher Bedarf an Schutzkleidung. „Wir nutzen die mehrfach verwendbaren Mund-Nasen-Bedeckungen. Oberste Priorität hat für uns jetzt die persönliche Schutzausrüstung des Pflegepersonals“, hieß es im Jenaer Pflegeheim Vitanas. Dieser Herausforderung werden sich die Jenaer Feuerwehrleute in den kommenden Wochen mit großem Einsatz widmen.

 

Das Interview führte Maja Haufe von JenaKultur