Kompass für Jenas Schulen
Die Stadt Jena ist verpflichtet, alle fünf Jahre einen Schulnetz- und Schulentwicklungsplan zu erstellen. Dieser wurde gestern dem Stadtrat zur Beschließung für die Schuljahre 2026/27 bis 2030/31 vorgelegt und von diesem bestätigt. Das 168 Seiten umfassende Dokument listet umfangreiche Daten zu allen 27 kommunalen Schulen sowie den acht Einrichtungen in freier Trägerschaft auf. Es zeigt unter anderem die aktuelle Auslastung und den voraussichtlichen zukünftigen Bedarf auf.
Rückgang der Schülerzahl bringt Entlastung für die Jenaer Schulen
Während zum Schuljahr 2026 voraussichtlich etwa 900 Schülerinnen und Schüler in den ersten Klassen starten, wird die Zahl Prognosen zufolge bis zum Jahr 2030 auf rund 700 Schulanfänger sinken und erst danach wieder leicht ansteigen. „Dass diese Entwicklung den Jenaer Schulen Sorgen bereitet, ist verständlich“, sagt Johannes Schleußner, Dezernent für Bildung, Jugend, Kultur und Sport. „Unser Ziel ist es, alle Schulangebote in Jena zu erhalten und keine vorschnellen Entscheidungen zu Schul- und Standortveränderungen zu treffen.“ Die Schulgröße ergibt sich letztendlich aus den tatsächlichen Anmeldungen – und somit dem Wunsch der Eltern.
Etwa 80 Prozent der Jenaer Schulen seien derzeit überfüllt. Ein vorübergehender Rückgang der Schülerzahl bringe auch eine gewisse Entlastung mit sich und schaffe Raum – beispielsweise für Ganztags- und Differenzierungsangebote, so der Dezernent.
Spielraum für Schulen bei Größen von Lerngruppen
Wie groß eine Klasse und eine Schule mindestens sein muss, regeln das Thüringer Schulgesetz und die Schulnetzverordnung. Als Obergrenze hat die Stadt im Schulnetzplan für Grund- und Gemeinschaftsschulen eine Klassenstärke von 20 bis maximal 23 Schülerinnen und Schülern und an Gymnasien bis maximal 26 festgelegt. Innerhalb dieser Mindest- und Obergrenze haben Schulen die Möglichkeit, die Anzahl und Größe ihrer Klassen und Lerngruppen eigenverantwortlich festzulegen.
Schwerpunkt: Energetische Sanierung
Ein Fokus der Jenaer Schulplanung liegt auf der energetischen Sanierung. Auch wenn in dieser Woche Richtfest für die neue Kulturanum-Schule gefeiert wurde und damit auch die letzte der Jenaer Schulen in ein saniertes Gebäude ziehen kann, müssen die Gebäude künftig weiter energetisch und klimatisch angepasst werden. Herausforderungen sind unter anderem hohe Temperaturen während des Sommers in Klassenzimmern und der erhöhte Stromverbrauch durch die fortschreitende Digitalisierung.
Verschiedene Wege für Kinder mit Förderbedarf
Kinder mit und ohne Förderbedarf sollen in Jena die Möglichkeit haben, gemeinsam den Unterricht zu besuchen. Gleichzeitig können sich Eltern von Kindern mit einem sonderpädagogischen Gutachten für den Besuch des Förderzentrums entscheiden. Beide Angebote sollen weiterentwickelt werden und nebeneinander bestehen. Der Standort des Förderzentrums am Jenzigweg soll dabei künftig verstärkt für Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Pflegebedarf und Mobilitätseinschränkungen genutzt werden.
Freie Schulwahl auch über Stadtteilgrenzen hinweg
Die Stadt Jena verfügt über eine sehr vielfältige Schullandschaft und möchte Eltern und Kindern die freie Wahl einer für sie geeigneten Einrichtung ermöglichen. Das im Thüringer Schulgesetz geregelte Aufnahmeverfahren zieht hingegen Kriterien wie die Länge des Schulwegs heran. Mit einer Allgemeinverfügung möchte die Stadt Jena ihren Schulen die Möglichkeit geben, bis zu 30 Prozent ihrer Schülerinnen und Schülern nach eigenen Kriterien auszuwählen – unabhängig vom Stadtteil, in dem die Familie lebt. Im fortgeschriebenen Schulnetz- und Schulentwicklungsplan wird daher das Schulamt gebeten, die neue Vereinbarung zu prüfen und umzusetzen.
Intensive Vorarbeiten mit Einbeziehung aller Beteiligter
Dem Plan vorangegangen waren mehrere Monate intensiver Vorbereitungen, in denen Vertreterinnen und Vertreter der Schulen und der Kommunalpolitik eng eingebunden waren. Bildungsdezernent Schleußner dankt allen Beteiligten für den guten und konstruktiven Diskussionsprozess, der den Schulen einen flexiblen Gestaltungsspielraum ermöglicht sowie den Schüler- und Elternwünschen Rechnung getragen hat. „Insbesondere möchte ich mich bei unserer Schulverwaltung, namentlich Herrn Ehrenberg, und der Vorsitzenden des erst in diesem Jahr neu konstituieren Fachausschusses für Schule und Sport für die höchst engagierte und zukunftsorientierte Zusammenarbeit bedanken.“ Der Plan verdeutliche einmal mehr den Wunsch und das gemeinsame Ziel aller Beteiligten, die Jenaer Bildungslandschaft zu fördern und für Schulen, Schülerinnen und Schüler optimale Rahmenbedingungen zum Lernen zu schaffen.
Der jetzt verabschiedete Plan wird im nächsten Schritt dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Entscheidung vorgelegt.