Neue Forschung zur Fürstengruft der Stadtkirche St. Michael
Die Fürstengruft der Stadtkirche St. Michael macht deutlich: Die Geschichte der Stadt Jena und die Geschichte ihrer Universität sind eng miteinander verbunden. Das bestätigen die umfangreichen interdisziplinären Forschungen zur Gruft. Die Ergebnisse werden nun in dem neuen Buch „Untersuchung zur Gruft der Fürsten von Sachsen-Jena in der Stadtkirche St. Michael“ veröffentlicht. Zur Präsentation des Buches landen die Stadt Jena und die Forschungsgruppe Collegium Jenense der Friedrich-Schiller-Universität ein. Interessierte sind herzlich willkommen.
Mittwoch, 28.10.2026, um 18:00 Uhr
Diele des Historischen Rathauses, Markt 1, Jena
Im Mittelpunkt der Forschungen standen die zwischen 2023 und März 2025 restaurierte Gruft und die vier dort bestatteten Mitglieder der Fürstenfamilie. Dazu gehören Herzog Bernhard, Prinz Bernhard, Herzogin Marie Charlotte und der letzte Fürst von Sachsen-Jena, Johann Wilhelm. Auch die aufwendig gestalteten Zinnsärge wurden untersucht. Begleitend erfolgten wissenschaftliche Untersuchungen an der Bestattung Herzog Johann Wilhelms. Im Frühjahr 2025 konnten dessen Gebeine wieder vollständig in der Gruft beigesetzt werden.
Stimmen zu dem Buch und der Forschung
Johannes Schleußner, Kulturdezernent der Stadt Jena:
„Universitätsgeschichte und Stadtgeschichte sind in Jena nicht getrennt voneinander zu betrachten. Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass wir diese Veranstaltung gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität organisieren. Das Buch macht die Forschung zur Fürstengruft für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und eröffnet neue Einblicke in ein wichtiges Kapitel der Jenaer Geschichte.“
Dr. Enrico Paust, Koordinator des Projektes Collegium Jenense:
„Mit dem vorliegenden Buch ist es gelungen, auf über 400 Seiten und in 31 Beiträgen von 35 Autoren unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen, die seit 2023 erfolgten Forschungen zur Jenaer Fürstengruft für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den Ausgangspunkt dafür bildete die Restaurierung der Gruft durch die Kirchgemeinde in Zusammenarbeit mit der Universität, der Familie Sachsen-Weimar-Eisenach sowie vielen weiteren Förderern und Sponsoren. So ist es gelungen die fertige Gruft wieder für Besucher zu öffnen und im Frühjahr 2025 die Gebeine von Herzog Johann Wilhelm wieder vollständig zur letzten Ruhe zu betten."
Apl. Prof. Dr. Joachim Bauer (Universitätsgeschichtliche Forschungsstelle im Universitätsarchiv Jena):
„Erbteilungen prägten seit den 1570er Jahren die Herrschaftspraxis im ernestinischen Territorium. Nach dem Tod des vormaligen Kurfürsten Johann Friedrich I. wurde wenige Jahrzehnte später das Territorium in immer kleinere Fürstentümer aufgeteilt. Im 17. Jahrhundert entstand eine Herrschaftslandschaft, die immer als bunter Flickenteppich bezeichnet wurde. Das kleine Fürstentum Sachsen-Jena, aus der Sachsen-Weimarer Linie hervorgegangen und ein Produkt der Landesteilung von 1672, war ein Beispiel dafür. Ungeachtet dessen versuchte der hier regierende Bernhard von Sachsen-Jena (1638-1678) in seiner Residenz Jena, mit durchaus begrenzten finanziellen Mitteln, ein barockes kulturelles Zentrum entstehen zu lassen, geprägt von einer Zeitung „Jenaischen Wöchentlichen Anzeigen“, einer Hofkapelle mit Ausstrahlungskraft sowie einem Schloss und Lustgarten. Bernhard verstarb bereits mit 40 Jahren und der erbberechtigte Sohn Johann Wilhelms wurde nur 15 Jahre alt. Das führte 1690 zum Aussterben der Linie und Jena fiel als Erbe an Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar zurück."
PD Dr. Stefan Gerber (Universitätsgeschichtliche Forschungsstelle im Universitätsarchiv Jena):
„Adels- und Fürstenrektorate in der Frühen Neuzeit erhöhten das Prestige der Universität. Sie machten sie dadurch attraktiver in der Konkurrenz um Studenten, gerade um adlige Studenten, die alle Universitäten in möglichst hoher Zahl gewinnen wollten. Und vor allem: War der Landesherr oder ein anderer Prinz des regierenden Hauses Rektor, so dokumentierte das die besondere Nähe von Universität und Herrschaft. Für die Universität wichtig zur Sicherung ihrer finanziellen Unterhaltung und ihres Schutzes. Für die Landesherren bedeutsam, um die Heranbildung von Pfarrern und Beamten für das Land zu sichern und um ihren Ruf als Förderer von Wissenschaften und Künsten zu sichern - letzteres gehörte in der Frühen Neuzeit zu den Eigenschaften des idealen Regenten.“