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Erinnern an Jenas verschwundene Bauwerke

11.03.2026

Wo standen historisch bedeutende Gebäude in Jena, die inzwischen verschwunden sind? Warum existieren diese Bauwerke nicht mehr? Und wie erinnern wir uns heute an sie? Diesen Fragen geht der Tag der Stadtgeschichte am Samstag, 14. März 2026, unter dem Motto „Erinnerungsräume: Jenas verschwundene Bauwerke“ auf den Grund. Mit Vorträgen, Stadtrundgängen, Führungen, Workshops und Film wird beleuchtet, wie Erinnerungen an Orte gebunden sind und was ihr Verschwinden für uns bedeutet.

Schauplatz ist der Standort der Alten Bibliothek

Nur wenige wissen, dass die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek auf die Bibliotheca Electoralis von 1549 zurückgeht. Am Standort der Alten Bibliothek, die 1945 Opfer der Bombardierung wurde, findet dieses Jahr der Tag der Stadtgeschichte statt, mit Impulsvorträgen und Diskussionen zu verschiedenen Themen. Manche Gebäude sind heute noch als Modell erhalten, andere – wie die Tierarzneyschule – wurden erst kurz vor dem Abriss digitalisiert. Fotovorträge zum Löbdergraben und den Straßenbahnanlagen bringen die Veränderungen vor Augen. Die Bauten der NS-Lager und der Flugabwehr auf dem Forst sind heute nicht mehr vorhanden, doch auch die Jenaer Philharmonie begann in dieser Zeit. An die Altstadt können sich viele noch erinnern, doch andere Funde wie im Alten Gut Zwätzen wurden erst neulich entdeckt. Nachmittags werden Gäste in der ThULB die Gelegenheit haben, Überreste der alten Bibliothek und Quellen zu anderen verschwundenen Jenaer Gebäuden in den Historischen Sammlungen zu sehen.

Führungen machen verschwundene Gebäude wieder erlebbar

Doch auch andere Standorte von verschwundenen Gebäuden werden am Tag der Stadtgeschichte bespielt. So erklärt der Leiter des Romantikerhauses, Max Pommer, vor Ort, was über das historische Romantikerhaus in der Jenaer Altstadt bekannt ist und wie es zur Namensverwechselung mit dem heutigen Romantikerhaus kam. Auch das verlorene Stadtschloss können Interessierte in einem Rundgang durch das Universitätshauptgebäude mit der Kustodin der Friedrich-Schiller-Universität, Dr. Babett Forster, wiederentdecken. Noch nicht verschwunden sind die Bauwerke auf der Führung mit Denkmalpfleger Fridtjof Florian Dossin, die trotz ihrer Bedeutung für die Geschichte der Industrialisierung heute eine unklare Zukunft haben. Doch was passiert, wenn man ein Denkmal auf einem Denkmal baut, zeigt Thomas Schmidt auf dem historischen Gelände des ZEISS-Planetariums. Die Standorte der Jenaer Klöster und Druckereien, der Kollegienkirche, der verschiedenen Jenaer Theater, des ZEISS-Hauptwerks und Orte von NS-Opfern werden ebenfalls durch Rundgänge wieder sichtbar.

Kreativ werden und ins Gespräch kommen

Familien können am Nachmittag an einem intergenerationellen Austausch beim Mal- und Erzählworkshop in der Künstlerischen Abendschule Jena teilnehmen. Eine kreative Reise für Groß und Klein in die Zeit und das Wohnhaus von Erhard Weigel bietet die 360-Grad-Filmvorführung im Domzelt in der Imaginata (Außenstandort des Planetariums). Zum Abschluss des Tages ist die Öffentlichkeit eingeladen, mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, Universität und Ernst-Abbe-Stiftung im Stadtgespräch darüber zu diskutieren, wie wir heute an diese Orte erinnern können und sollen.

„Mit dem diesjährigen Programm des Tags der Stadtgeschichte wollen wir gezielt auch Menschen ansprechen, die sich bisher noch nicht intensiver mit der Geschichte unserer Stadt beschäftigt haben – die aber neugierig auf historische Orte und die oft vergessenen ›Lost Places‹ sind“, 

erklärt Kulturdezernent Johannes Schleußner. 

„Stadtgeschichte lebt vom Engagement vieler. Institute, Vereine und Arbeitskreise haben mit großer Sorgfalt die Geschichte der Bauwerke recherchiert und wichtige Erinnerungen bewahrt. Mein Dank dafür gilt allen Kooperationspartnern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung sowie den vielen Ehrenamtlichen. Sie tragen dazu bei, dass Erinnerungskultur lebendig bleibt und Stadtgeschichte für uns alle zugänglich und erlebbar wird.“

Zum Hintergrund

Der Tag der Stadtgeschichte wurde 2009 als Veranstaltungsreihe vom Stadthistoriker Dr. Rüdiger Stutz ins Leben gerufen. In Jena findet er in diesem Jahr zum vierzehnten Mal statt, organisiert von Stadthistorikerin Dr. Jenny Price. In der Vergangenheit wurden zum Tag der Stadtgeschichte ganz verschiedene Themen und Epochen beleuchtet und diverse Formate ausprobiert – von Vorträgen und Diskussionen über Buchpräsentationen, Foto- und Filmaufnahmen, Lichtinstallationen, Stadtrundgängen, Musik und Comedy bis zu einer hybriden Veranstaltung, die noch auf Youtube angeschaut werden kann. 2016 stand der Eichplatz im Fokus mit einem multimedialen Rundgang durch das historische Altstadtquartier zwischen Johannis- und Leutrastraße. Hier wurde an einen aus dem Stadtbild verschwundenen Symbolort erinnert, der einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis der Stadt inne hat. In diesem Jahr wird der Fokus noch erweitert auf andere verlorene Gebäude und Orte, die Jenas Geschichte prägten.

Der Tag der Stadtgeschichte ist eine Veranstaltung der Stadt Jena, die von JenaKultur organisiert und durchgeführt wird unter Mitwirkung verschiedener Institutionen, Vereine und Akteure der Stadtgeschichtsforschung. Alle Veranstaltungen sind öffentlich, kostenfrei und ohne Anmeldung. Es wird um Verständnis gebeten, dass die Führungen und Stadtrundgänge nur eine Kapazität von maximal 25 bis 30 Personen haben.  

Zwei Personen halten ein Plakat
Kulturdezernent Johannes Schleußner und Stadthistorikerin Dr. Jenny Price laden zum Tag der Stadtgeschichte ein.