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Jena wird Standort eines neuen Musterungszentrums der Bundeswehr

08.05.2026

Die Stadt Jena wird künftig Standort eines Musterungszentrums der Bundeswehr. Darüber informierte die Bundeswehr den Oberbürgermeister im Rahmen der bundesweiten Neuaufstellung ihrer Wehrersatzorganisation. Vorgesehen ist die Einrichtung des Zentrums in der Goethe Galerie am Ernst-Abbe-Platz. Die vollständige Inbetriebnahme ist nach aktuellem Stand spätestens zum 1. Juli 2027 geplant.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche begrüßt die Entscheidung ausdrücklich:

„Jena ist ein moderner Wissenschafts-, Bildungs- und Verwaltungsstandort mit hoher regionaler Bedeutung. Die Ansiedlung des Musterungszentrums unterstreicht diese Rolle und bringt zugleich neue Arbeitsplätze sowie zusätzliche Impulse für die Innenstadt. Sicherheit und demokratische Verantwortung gehören zu den Grundpfeilern unseres Gemeinwesens. Dazu gehört auch ein respektvoller gesellschaftlicher Dialog über die Rolle der Bundeswehr in unserer Zeit. Unabhängig davon ist die Entscheidung des Bundes, Jena auszuwählen ein deutliches Zeichen des Vertrauens in unsere Stadt und ihre Leistungsfähigkeit.“

Der Oberbürgermeister verweist zugleich auf die in den vergangenen Jahren gewachsene Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bundeswehr:

„Viele Menschen in Jena haben insbesondere während der Corona-Pandemie erlebt, wie selbstverständlich und professionell die Bundeswehr zivile Aufgaben unterstützt hat – etwa in der Verwaltung, bei logistischen Aufgaben oder in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Daraus ist auch vor Ort ein gewachsenes Vertrauen entstanden, auf dessen Grundlage heute ein sachlicher Austausch möglich ist.“

Die Stadt steht nach Angaben des Oberbürgermeisters bereits in engem Austausch mit den zuständigen Führungsebenen der Bundeswehr in Thüringen, um die weitere Entwicklung konstruktiv zu begleiten. 

Als Standort wurde die Goethe Galerie bewusst gewählt. Ausschlaggebend waren unter anderem die gute verkehrliche Anbindung sowie die zentrale Erreichbarkeit für junge Menschen aus Jena und der Region. Die geplanten Räumlichkeiten im Gebäude B13 sollen nach Angaben der Bundeswehr modern und offen gestaltet werden und sich in den Gebäudekomplex integrieren. Der Oberbürgermeister dankt in diesem Zusammenhang auch Michael Holz, dem Geschäftsführer der Goethe Galerie, für die konstruktiven Gespräche im Vorfeld der Entscheidung.

Hintergrund der Entscheidung des Bundes

Hintergrund der Entscheidung, die auf Bundes- und nicht auf kommunaler Ebene getroffen wurde, ist die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa sowie die personelle Neuausrichtung der Bundeswehr. Grundlage bildet unter anderem das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes zur Erfassung und Musterung männlicher deutscher Staatsbürger, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren wurden und das 18. Lebensjahr vollenden. 

Das neue Musterungszentrum soll täglich bis zu 60 Musterungen durchführen. Vorgesehen sind medizinische Untersuchungen, computergestützte Eignungstests sowie persönliche Beratungsgespräche. Nach Angaben der Bundeswehr entstehen dafür rund 50 Arbeitsplätze im zivilen und beamtenrechtlichen Bereich.

Die erforderlichen baulichen Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten beginnen.

Einordnung öffentlicher Diskussionen

Mit Blick auf die aktuelle öffentliche Diskussion und die u.a. für heute (8.5.2026) angekündigten Proteste gegen eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht betont die Stadtverwaltung, dass unterschiedliche gesellschaftliche Positionen selbstverständlich ihren Platz in einer demokratischen Stadtgesellschaft haben. Friedliche Demonstrationen und kontroverse Debatten seien Ausdruck demokratischer Teilhabe.

Gleichzeitig verweist die Stadt darauf, dass die Einrichtung des Musterungszentrums auf einer bundesgesetzlichen Grundlage erfolgt und Teil einer gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge ist. Die Ansiedlung bedeute nicht eine Militarisierung des öffentlichen Lebens, sondern die Schaffung administrativer und medizinischer Infrastruktur zur Durchführung gesetzlich vorgesehener Musterungsverfahren.