Stadt Jena priorisiert künftige Kulturinvestitionen
Die Stadt Jena stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung ihrer kulturellen Infrastruktur. Hintergrund sind notwendige Investitionen in zentrale Kultureinrichtungen bei gleichzeitig begrenzten finanziellen Handlungsspielräumen. Dem Stadtrat liegt nun ein Vorschlag zur Priorisierung der anstehenden Kulturinvestitionen für die Sitzung am 3. Juni 2026 vor.
Kern der Vorlage ist die Entscheidung, die Generalsanierung und konzeptionelle Weiterentwicklung der Städtischen Museen am Standort Göhre vorrangig umzusetzen. Gleichzeitig sollen die bisherigen Planungen für ein neues Probenzentrum der Jenaer Philharmonie nicht weiterverfolgt werden. Der Betrieb und die künstlerische Entwicklung der Philharmonie sollen jedoch langfristig an den bestehenden Standorten Volkshaus und ehemalige Augenklinik gesichert bleiben.
Die Entscheidung folgt einer umfassenden fachlichen und finanziellen Prüfung. Beide Projekte – Museumsmodernisierung und Probenzentrum – wurden in den vergangenen Jahren als wichtige Zukunftsvorhaben identifiziert. Eine gleichzeitige Umsetzung ist unter den aktuellen und absehbaren Haushaltsbedingungen jedoch nicht möglich.
Im Mittelpunkt der Priorisierung steht der akute Handlungsbedarf bei den Städtischen Museen. Am Standort Göhre bestehen erhebliche bauliche und funktionale Defizite. Ohne Sanierung drohen langfristig Einschränkungen des Museumsbetriebs und Risiken für wertvolle Sammlungsbestände.
Mit der geplanten Neuausrichtung soll ein modernes „Jena-Museum“ entstehen, das Stadtgeschichte zeitgemäß vermittelt und stärker als bisher als offener Ort für Begegnung, Bildung und kulturellen Austausch wirkt. Vorgesehen sind unter anderem neue Ausstellungskonzepte, barrierearme Zugänge, digitale und interaktive Angebote sowie eine stärkere museums-pädagogische Ausrichtung.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die ehemalige Augenklinik. Sie soll zunächst als Interimsstandort für Teile der Museen und langfristig als neuer Standort der Jenaer Kunstsammlung entwickelt werden. Voraussetzung hierfür ist eine dauerhafte Sicherung der Nutzung über das Jahr 2030 hinaus.
Die bislang verfolgten Überlegungen für ein eigenständiges Kunsthaus werden vor diesem Hintergrund eingestellt. Die Stadt sieht zugleich in der Entwicklung des Areals rund um Volkshaus, Augenklinik und Deutsches Optisches Museum die Chance, einen neuen kulturellen Schwerpunkt mit überregionaler Ausstrahlung zu schaffen.
Auch die Entscheidung zum Probenzentrum der Jenaer Philharmonie wurde intensiv geprüft. Neben den finanziellen Belastungen haben sich insbesondere die rechtlichen und fördertechnischen Rahmenbedingungen deutlich verändert. Nach aktueller Einschätzung wäre das bisher vorgesehene Modell nicht tragfähig umsetzbar. Zudem würden zusätzliche dauerhafte Betriebs- und Infrastrukturkosten entstehen, die langfristig die finanziellen Spielräume für die künstlerische Arbeit des Orchesters einschränken könnten.
Die Stadt betont deshalb ausdrücklich, dass die Entscheidung keine Schwächung der Jenaer Philharmonie bedeutet. Vielmehr sollen die bestehenden Strukturen im Volkshaus und in der Augenklinik langfristig gesichert werden, um die hohe künstlerische Qualität des Orchesters auch künftig zu erhalten.
JenaKultur plant für die Umsetzung der Museumsmaßnahmen eine mehrjährige Entwicklung in mehreren Bau- und Konzeptionsphasen bis Anfang der 2030er Jahre. Parallel sollen Fördermittel aktiv eingeworben werden.
Kulturdezernent Johannes Schleußner erklärt:
„Der vorliegende Vorschlag gibt einen Ausblick auf die noch anstehenden schwierigen Entscheidungen, vor denen unsere Stadt steht. Der Werkleitung von JenaKultur ist es zu verdanken, dass sie in finanziell herausfordernden Zeiten einen tragfähigen und verantwortungsvollen Vorschlag zur Priorisierung der investiven Vorhaben im Kulturbereich vorlegt. Dieser Vorschlag sichert die Arbeitsfähigkeit unserer Kultureinrichtungen und eröffnet zugleich dringend notwendige Perspektiven insbesondere für unser Stadtmuseum und unsere Kunstsammlung.“
Die Werkleitungen von JenaKultur, Carsten Müller und Friedrun Vollmer, ergänzen:
„Uns ist bewusst, dass diese Priorisierung mit unterschiedlichen Erwartungen und auch Enttäuschungen verbunden ist. Umso wichtiger war es, eine Entscheidung vorzuschlagen, die langfristig tragfähig ist und sowohl kulturelle Qualität als auch finanzielle Verantwortung miteinander verbindet. Mit der Stärkung der Museen und der gleichzeitigen Sicherung der Philharmonie schaffen wir verlässliche Perspektiven für die kulturelle Entwicklung Jenas.“