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40 Jahre Höhenrettung in Jena

28.08.2026

Die Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Jena feierte am Freitag, 28. August 2026, ihr 40-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt des Jubiläumstages standen die Entwicklung der Speziellen Rettung aus Höhen und Tiefen, kurz SRHT, der fachliche Austausch mit Höhenrettungsgruppen aus Thüringen sowie eine am JenTower geplante Abseilaktion.

Zum Jubiläum kamen Vertreterinnen und Vertreter der Berufsfeuerwehr Jena sowie Höhenrettungsgruppen aus Gera, dem Ilm-Kreis sowie die Bergwacht Thüringen zusammen. Das Programm bot Raum für den Erfahrungsaustausch, die Vorstellung moderner Ausrüstung und einen Rückblick auf vier Jahrzehnte Höhenrettung in Jena. Eine Bilderreihe sowie frühere und heutige Einsatztechnik machten anschaulich, wie sich Ausrüstung und Arbeitsweise der Spezialkräfte seit den Anfängen verändert haben.

Die als öffentlich sichtbarer Höhepunkt geplante Abseilaktion am JenTower konnte aufgrund der Wetterlage nicht stattfinden. Sie soll zeitnah nachgeholt werden.

„Höhenrettung ist keine Fähigkeit, die man nur für besonders spektakuläre Einsätze vorhält. In einer Stadt wie Jena mit Hochhäusern, Industrieanlagen, Baustellen und schwer zugänglichen Bereichen müssen wir auch dort sicher retten können, wo die üblichen Einsatzmittel an ihre Grenzen kommen. Dass die Berufsfeuerwehr diese Kompetenz seit 40 Jahren besitzt, ist das Ergebnis kontinuierlicher Ausbildung, technischer Weiterentwicklung und eines hohen persönlichen Einsatzes unserer Kollegen. 28 Höhenretter halten diese Spezialqualifikation zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben im Feuerwehr und Rettungsdienst aufrecht. Dafür gebührt ihnen ausdrücklicher Dank“, so Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe.

Einsätze und Training

Die Höhenrettung kommt immer dann zum Einsatz, wenn Menschen aus Höhen, Tiefen oder schwer zugänglichen Bereichen gerettet werden müssen und herkömmliche Rettungswege oder Einsatzmittel nicht ausreichen. Dazu zählen unter anderem Hochhäuser, Krane, Baustellen, Industrieanlagen und Schächte.

Jährlich wird das Team zu etwa 30 bis 40 Einsätzen alarmiert. Aufgrund der besonderen Einsatzorte und der erforderlichen Rettungstechnik ist jede dieser Alarmierungen mit besonderen Anforderungen verbunden. Erst das Zusammenspiel aus spezieller Seil- und Sicherungstechnik und hoch qualifizierten Einsatzkräften ermöglicht es, Menschen auch in schwer zugänglichen Lagen zu erreichen, zu sichern und sicher zu retten.

Jeden Donnerstag findet die Ausbildung der Höhenrettung statt. Dabei trainiert das Team ein breites Spektrum möglicher Einsatzszenarien und bleibt in der Regel einsatzbereit. Wird es alarmiert, muss das Training unterbrochen oder vollständig abgebrochen werden.

Jeder aktive Höhenretter muss mindestens 72 Ausbildungsstunden pro Jahr absolvieren. Diese zusätzliche Qualifizierung erfolgt neben den regulären Aufgaben im Feuerwehr- und Rettungsdienst. Dazu gehören beispielsweise Einsätze auf dem Rettungswagen, das Bedienen der Drehleiter sowie Tätigkeiten in der Leitstelle oder im Gefahrguteinsatz.

Das Spezialteam umfasst derzeit 28 Einsatzkräfte, verteilt auf die drei Wachabteilungen mit zweimal zehn und einmal acht Mitgliedern. In jeder Wachabteilung stehen zwei speziell qualifizierte Ausbilder zur Verfügung.

„Entscheidend ist das Zusammenspiel im Team. Jeder Handgriff muss sitzen, jedes Sicherungssystem zuverlässig funktionieren und jede Entscheidung im Einsatz tragfähig sein. Das setzt regelmäßiges Training, hohe fachliche Kompetenz und großes gegenseitiges Vertrauen voraus. Was die Kolleginnen und Kollegen leisten, verdient große Anerkennung. Ohne ihr spezialisiertes Wissen und ihre hohe Einsatzbereitschaft könnten die jährlich rund 30 bis 40 besonderen Rettungslagen nicht sicher bewältigt werden. Diese Spezialeinheit ist für die Feuerwehr Jena unverzichtbar. Ich bin stolz auf dieses Team, und das Jubiläum ist der richtige Anlass, dafür ausdrücklich Danke zu sagen“, betont Nick Ludwig, Fachdienstleiter Feuerwehr.

Hohe Anforderungen an das Spezialteam

Wer Teil der Höhenrettung werden möchte, muss neben körperlicher Fitness und absoluter Schwindelfreiheit auch eine hohe psychische Belastbarkeit mitbringen. Ebenso wichtig sind Verantwortungsbewusstsein, Kritikfähigkeit, Offenheit und die Fähigkeit, auch über einen längeren Zeitraum selbstständig, sicherheitsbewusst und zuverlässig zu handeln.

Darüber hinaus sind eine schnelle Auffassungsgabe, Innovationsbereitschaft und praktische Kenntnisse in absturzgefährdeten Arbeitsbereichen von Vorteil. Erfahrungen aus der Bergrettung, dem Industrieklettern, der Baumpflege oder vergleichbaren Fachgebieten können eine wichtige Grundlage bilden.

Technik und Taktik im Wandel

Zu den größten Veränderungen der vergangenen 40 Jahre zählen die technische Ausrüstung und die damit verbundenen Einsatztaktiken. Während Sicherungssysteme früher teilweise unmittelbar aus Seilen gefertigt wurden, stehen den Einsatzkräften heute moderne Auffanggurte und zahlreiche speziell entwickelte Rettungs- und Sicherungsmittel zur Verfügung.

Neue Werkstoffe haben die Ausrüstung leichter und zugleich belastbarer gemacht. Auch das Angebot an Technik für seilunterstütztes Arbeiten, Berg- und Höhenrettung sowie Industrieklettern ist erheblich gewachsen. Dadurch können die Einsatzkräfte heute aus einer Vielzahl spezialisierter Systeme das für die jeweilige Lage geeignete auswählen. Ein wesentliches Grundelement hat sich jedoch nicht verändert: Die verwendeten Knoten sind bis heute dieselben geblieben.

Dank an die Unterstützenden

Ein besonderer Dank gilt der Saller Unternehmensgruppe als Eigentümerin sowie dem Centermanagement des JenTowers für die gute Zusammenarbeit. Mit 159,60 Metern ist der JenTower das höchste Bürogebäude der neuen Bundesländer und eine weithin sichtbare Landmarke Thüringens. Der Turm bot dem Jubiläum einen außergewöhnlichen Rahmen. Die umfassende Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung sowie bei der Planung der Abseilaktion trug wesentlich zum Gelingen des Jubiläumstages bei.

Unterstützt wurde die Veranstaltung außerdem durch die Stadt Jena sowie durch die TEAG und Hornbach. Die TEAG förderte den Berufsfeuerwehrverein Jena mit einer Geldspende, Hornbach stellte eine Sachspende zur Verfügung. Die Feuerwehr Jena dankt allen Beteiligten und Unterstützenden für ihr Engagement.

Gruppe von Menschen stehen im JenTower und lachen in die Kamera.
Nick Ludwig, Fachdienstleiter Feuerwehr (2. v. l.), und Martin Sommer, Leiter SRHT (vorn in der Mitte), feierten gemeinsam mit dem Team und den Gästen im JenTower das 40-jährige Bestehen der Speziellen Rettung aus Höhen und Tiefen.