Jena steigt im Digitalranking
Jena macht im bundesweiten Smart City Index des Digitalverbands Bitkom einen deutlichen Sprung nach vorn: Die Stadt verbessert sich um sieben Plätze und erreicht mit 73,0 von 100 möglichen Punkten Rang 47 unter 83 untersuchten deutschen Großstädten. Unter den Städten mit 100.000 bis 149.999 Einwohnerinnen und Einwohnern belegt Jena Platz 5.
Der Smart City Index zeigt, wie weit die Digitalisierung in deutschen Großstädten vorangeschritten ist. Dafür betrachtet der Bitkom nicht nur einzelne digitale Angebote, sondern die Entwicklung der Städte in unterschiedlichen Bereichen. Bewertet werden Verwaltung, Energie und Umwelt, Mobilität, IT und Kommunikation sowie Gesellschaft und Bildung. In die Bewertung fließen beispielsweise digitale Verwaltungsleistungen, digitale Infrastrukturen, intelligente Mobilitätsangebote, Datenanwendungen sowie digitale Bildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten ein.
Untersucht wurden alle deutschen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Indexwerte basieren auf nachvollziehbaren Angaben der Kommunen und öffentlich zugänglichen Datenquellen. Alle 83 untersuchten Städte konnten eigene Daten bereitstellen und diese mit Quellen belegen – eine Möglichkeit, die von allen Städten genutzt wurde.
Mehr als eine Platzierung: Warum das Ranking für Jena wichtig ist
„Sieben Plätze nach vorn und Platz fünf unter den Städten unserer Größe sind ein starkes Signal. Es zeigt, dass Jena bei der Digitalisierung vorankommt und sich unsere Projekte und Investitionen zunehmend auch in einem bundesweiten Vergleich widerspiegeln. Für uns ist aber nicht der Platz im Ranking das eigentliche Ziel. Entscheidend ist, dass Digitalisierung bei den Menschen ankommt, den Alltag erleichtert und zugleich gute Rahmenbedingungen für einen modernen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort schafft“, sagt Benjamin Koppe, Bürgermeister und Dezernent für Digitalisierung der Stadt Jena.
Der Smart City Index ist mehr als eine Rangliste. Er macht bundesweit sichtbar und vergleichbar, wie Städte bei zentralen Themen der Digitalisierung aufgestellt sind. Für Jena liefert der Index damit eine wichtige Außenperspektive: Wo liegen die eigenen Stärken, wo besteht noch Entwicklungspotenzial und wo können Erfahrungen anderer Städte Orientierung geben?
Zugleich betreffen viele der untersuchten Faktoren unmittelbar die Attraktivität eines Standortes. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, moderne Verwaltungsangebote, Mobilität, Bildungsangebote und ein innovationsfreundliches Umfeld sind nicht nur für Bürgerinnen und Bürger relevant, sondern auch für Unternehmen, Wissenschaft, Fachkräfte und Kooperationspartner.
Der Smart City Index ist dabei kein klassisches Wirtschafts- oder Ansiedlungsranking. Er macht sichtbar, wie gut eine Stadt bei wichtigen digitalen Rahmenbedingungen aufgestellt ist. Gerade für Jena als Wissenschafts-, Wirtschafts- und Technologiestandort ist dieser Blick von außen deshalb von Bedeutung.
Stärke bei Gesellschaft und Bildung
Besonders gut schneidet Jena in der Kategorie Gesellschaft und Bildung ab. Mit 86,3 Punkten erreicht die Stadt hier bundesweit Rang 23 und verbessert sich gegenüber dem Vorjahr um zwölf Positionen. In die Bewertung fließen unter anderem die Digitalisierung von Schulen, Digitalkompetenz, die lokale Digitalszene, Start-up-Strukturen, Coworking-Angebote und digitale Beteiligungsmöglichkeiten ein.
Auch in der Kategorie Mobilität erreicht Jena mit 77,1 Punkten ein über dem Gesamtergebnis liegendes Ergebnis. In der Verwaltung erzielt die Stadt 75,9 Punkte, bei IT und Kommunikation 72,0 Punkte. Entwicklungspotenzial zeigt der Index insbesondere im Bereich Energie und Umwelt, in dem Jena 53,5 Punkte erreicht.
Wie Digitalisierung in Jena konkret wird
Jenas gutes Abschneiden steht zugleich für eine kontinuierliche digitale Entwicklung, die an vielen Stellen der Stadt sichtbar wird. Das Smart City Projekt Jena leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Mit der urbanen Datenplattform “WISSENsAllmende” entsteht eine städtische Dateninfrastruktur, über die Informationen gebündelt, verknüpft und für unterschiedliche Anwendungen nutzbar gemacht werden können. Die Passantenfrequenzmessung in der Innenstadt zeigt beispielhaft, wie Daten dabei helfen können, Nutzung und Veränderungen öffentlicher Räume besser zu verstehen und damit neue Grundlagen für Stadtentwicklung und Planung zu schaffen.
Ebenso wichtig ist die Frage, wie Digitalisierung bei den Menschen ankommt. Der ProbierLaden am Engelplatz hat sich mit persönlicher Beratung, Kursen und offenen Angeboten zu einer stark nachgefragten Anlaufstelle für digitale Fragen entwickelt. Der JEDI im Postcarrée schafft wiederum einen Ort für Innovation und Transfer. Hier kommen Stadtgesellschaft, Digitalwirtschaft, Wissenschaft, Start-ups und Nachwuchs in Workshops, Hackathons und weiteren Formaten zusammen, um neue Technologien kennenzulernen, konkrete Anwendungsfälle zu entwickeln und den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren zu stärken.
Die vier Beispiele zeigen zugleich die Bandbreite des Jenaer Smart-City-Ansatzes: von Daten und digitaler Infrastruktur über datenbasierte Stadtentwicklung bis hin zu Bildung, Teilhabe und Innovation.
„Ein Ranking kann immer nur einen Ausschnitt der Entwicklung abbilden. Entscheidend ist für uns, was hinter den Zahlen steht: Entstehen Lösungen, die dauerhaft nutzbar sind? Erreichen wir unterschiedliche Menschen? Und gelingt es uns, Digitalisierung tatsächlich in den Alltag der Stadt zu bringen? Mit Projekten wie der WISSENsAllmende, dem ProbierLaden oder dem JEDI wird genau das konkret sichtbar“, sagt Dorothea Prell, Smart City Beauftragte und Gesamtprojektleiterin der Stadt Jena.
Bestätigung und Ansporn zugleich
Das Ergebnis ist mit Blick auf die Vorjahre mit Augenmaß zu betrachten. Die Abfrage des Smart City Index wurde in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Fragestellungen, Kriterien und Datenquellen sind daher nicht über alle Jahrgänge hinweg identisch. Der aktuelle Platzgewinn lässt sich deshalb nicht ausschließlich als Veränderung der tatsächlichen digitalen Leistungsfähigkeit interpretieren.
Für Jena ist das Ergebnis dennoch Bestätigung und Ansporn zugleich: Die Platzierung zeigt, wo die Stadt im bundesweiten Vergleich steht, macht Stärken sichtbar und gibt zugleich Hinweise darauf, wo weitere Entwicklung notwendig ist.
Die Stadt will die Digitalisierung daher weiter vorantreiben und dabei besonders darauf achten, dass digitale Lösungen einen konkreten Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft schaffen.