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Neue Blüte für das Jenaer Romantikerhaus

18.09.2026

Von hieraus wurde einst das rebellische Denken der Frühromantiker in die Welt getragen, aus dem sich eine der prägenden Bewegungen der europäischen Kulturgeschichte entwickelte: Das Romantikerhaus im Jenaer Stadtzentrum vermittelt als einziges Museum in Deutschland die Geschichte und Bedeutung der Frühromantik an historischer Stätte. Um diese besondere Rolle des Ortes und des Hauses zeitgemäß vermitteln zu können, wird das Romantikerhaus umfassend neugestaltet. Die Verwandlung findet dabei in drei Teilprojekten statt: Die Freianlagen erhalten unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Aspekte ein neues Gesicht, und im Inneren des Hauses sind bauliche Anpassungen geplant und die Dauerausstellung wird neu konzipiert.  

Als national bedeutsame Kultureinrichtung eingestuft

Möglich ist die umfassende Umgestaltung, da das Museum in das Förderprogramm „Investitionen in national bedeutsame Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK) aufgenommen wurde. Das Staatsministerium für Kultur und Medien fördert auf diesem Weg herausragende nationale Kultureinrichtungen, bekannte Beispiele sind unter anderem die Bayerische Staatsoper, das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden oder die Hamburger Kunsthalle. Die Neugestaltung der Dauerausstellung, des Foyers sowie der Fläche für die Wechselausstellungen wird über das INK-Programm mit rund 560.000 Euro vom Bund und knapp 170.000 Euro vom Land Thüringen unterstützt, bei einer Summe von förderfähigen Kosten in Höhe von 1.119.700 Euro.

„Ich freue mich sehr, dass das Romantikerhaus in Jena mit Bundesmitteln umfassend neugestaltet werden kann und damit ein wichtiger kultureller Leuchtturm in Ostdeutschland gestärkt wird. Es ist ein besonderer Ort, der die Frühromantik dort erlebbar macht, wo sie Geschichte geschrieben hat”, 

sagt Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland.

„Die Jenaer Frühromantik hat weit über Thüringen hinausgewirkt und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren”,

betont Prof. Dr. Steffen Teichert, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. 

„Umso mehr freue ich mich, dass wir dem Romantikerhaus gemeinsam eine neue Perspektive eröffnen können. Mein besonderer Dank gilt dem Bund für die wichtige Unterstützung dieses Vorhabens. Gemeinsam mit der Stadt Jena schaffen wir die Voraussetzungen dafür, diesen besonderen Ort lebendig, zeitgemäß und für ein breites Publikum neu erfahrbar zu machen.“

„Jena als Geburtsstätte der deutschen Romantik hat in den letzten Jahren national und international in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend Aufmerksamkeit gefunden. Die Anerkennung unseres Romantikerhauses als national bedeutsame Kultureinrichtung entspricht dieser Entwicklung und ist zugleich ein wichtiges Signal seitens des Bundes”, 

sagt Kulturdezernent Johannes Schleußner. Neben einem Museum mit einer Dauer- und bis zu drei Wechselausstellungen pro Jahr versteht sich das Romantikerhaus als Ort der Begegnung und knüpft damit an die frühromantische Vorstellung der „romantischen Geselligkeit“ an. Nach dem Umbau wird das Haus Platz für Lesungen, Konzerte, Vorträge und Begegnungen bieten. 

„Ich danke allen, die sich für die Förderung dieses Projektes eingesetzt haben”,

zeigt sich der Dezernent dankbar. 

Neue Schau soll sinnlich, partizipativ und inklusiv werden

1981 wurde das Haus nach umfangreicher Sanierung als Gedenkstätte der Jenaer Frühromantik und Ausstellungsort der Kunstsammlung eröffnet. Als eigenständiges Literaturmuseum existiert es mit der derzeitigen Dauerausstellung seit 1999. Nach mehr als 25 Jahren sollen Geschichte und Bedeutung der Frühromantik nun in einer zeitgemäßen Form an ein breites Publikum vermittelt werden. Diesen Prozess betreut der Eigenbetrieb JenaKultur, bei dem das Romantikerhaus als Ort der Städtischen Museen Jena angesiedelt ist.

„Jena hat eine mindestens 1000-jährige spannende Geschichte. Und darin gibt es ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, das bisher, auch in der bundesweiten Wahrnehmung, noch viel zu sehr unter dem Radar bleibt: die Jenaer Frühromantik”,

betont Friedrun Vollmer, Werkleiterin von JenaKultur. 

„Ich freue mich sehr, dass dieser Tatsache nun mit der Neukonzipierung der Dauerausstellung und der damit einhergehenden umfassenden Sanierung des Umfeldes des sogenannten Romantikerhauses, das ja in Wahrheit das ehemalige Wohnhaus des Philosophen Johann Gottlieb Fichte ist, Rechnung getragen wird. Mit der großzügigen finanziellen Unterstützung von Bund und Land, für die wir dankbar sind, werden wir die Jenaer Frühromantik als 'Revolution des Geistes' mit all ihren tiefgreifenden Wirkungen auf moderne Literatur, Philosophie, Wissenschaft und das westliche Freiheits- und Kunstverständnis auch den nächsten Generationen nahebringen können.“

Die Präsentation wird neue digitale und analoge Vermittlungsmöglichkeiten nutzen und will sinnlich, partizipativ und inklusiv sein. Wie die künftige Dauerausstellung konkret aussieht, wird auf der Grundlage eines neuen inhaltlichen Konzepts gemeinsam mit einem Büro für Ausstellungs- und Mediengestaltung erarbeitet. Der Ausschreibungsprozess läuft derzeit. Ab dem 05.10.2026 wird das Romantikerhaus zunächst für Publikum schließen. Im Jahr 2027 werden die Umbauarbeiten beginnen, die Wiedereröffnung des Museums ist im Laufe des Jahres 2029 geplant.  

Ziele sind Barrierefreiheit, Sichtbarkeit und höhere Aufenthaltsqualität 

Bevor die neue Dauerausstellung einziehen kann, müssen die Außenanlagen fertiggestellt und bauliche Anpassungen im Inneren vorgenommen werden. Diese umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten werden durch den Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena (KIJ) umgesetzt. Zielstellung ist es, das Erdgeschoss barrierefrei zugänglich zu machen und dort einen kombinierten Veranstaltungs- und Ausstellungsraum zu schaffen sowie das Foyer und den Kassenbereich umzugestalten. Im zweiten Obergeschoss sollen zudem zwei neue Räume für Wechselausstellungen entstehen.

Auch für den Freiraum rund um das Gebäude ist eine grundlegende Erneuerung geplant. Ein wichtiges Anliegen ist es, das Areal besser zugänglich zu machen. In Abstimmung mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Jena wurden Lösungen abgestimmt, wie das Museum künftig barrierefrei erreicht werden kann. Durch Sitzgelegenheiten, Bepflanzungen und Beleuchtung soll der Hof in Zukunft zum Verweilen einladen und als Veranstaltungsfläche aufgewertet werden. Die beiden Museumseingänge vom Löbdergraben und Unterm Markt werden durch ein einheitliches Leitsystem besser sichtbar. Durch Informationsstelen und gezielte Beleuchtung soll das Gebäude „in zweiter Reihe” besser wahrnehmbar werden. Denkmalgeschützte Elemente wie die Bronzebüsten von Caroline, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, die Pergola oder der Brunnen werden behutsam in die Neugestaltung mit einbezogen. Die Kosten für die durch KIJ umgesetzten Baumaßnahmen im Gebäude liegen bei rund 300.000 Euro. In die Neugestaltung der Freianlagen werden rund 600.000 Euro investiert, von denen rund 400.000 Euro durch Städtebaufördermittel von Bund und Land getragen werden.

„Mit der Verbesserung der Barrierefreiheit durch den Umbau der Innenräume und der Freianlagen möchten wir kulturelle Teilhabe für noch mehr Menschen ermöglichen“, 

sagt KIJ-Werkleiterin Beate Wachenbrunner. 

„Die Neugestaltung der Freianlagen schafft zugleich einen attraktiven Ort für alle zum Ankommen, Verweilen und Begegnen – und damit ein Stück mehr Aufenthaltsqualität mitten in der Jenaer Innenstadt.“

Gruppenfoto
Gemeinsame Vorfreude auf den Start der anstehenden Umgestaltung des Jenaer Romantikerhauses.