1.200 Darstellende erinnern an die Schlacht bei Jena: Größte Gedenkveranstaltung seit 20 Jahren
Zum 220. Jahrestag der Schlachten bei Jena und Auerstedt lädt die Arbeitsgemeinschaft „Jena 1806" e.V. vom 16. bis 18.10.2026 gemeinsam mit den umliegenden Dörfern zu einem Gedenkwochenende auf das historische Schlachtfeld ein. Rund 1.200 Darstellerinnen und Darsteller aus Deutschland und 15 weiteren Ländern werden erwartet, darunter etwa 40 Kavalleristen mit ihren Pferden. Dazu kommen rund 18 Kanonen. So viele Teilnehmende gab es seit dem 200. Jahrestag 2006 nicht mehr. Die Schirmherrschaft hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt übernommen.
Gefechtsnachstellung als Höhepunkt
Höhepunkt ist die Gefechtsnachstellung am Samstag, 17.10.2026, ab 14:30 Uhr im Dörferdreieck Cospeda–Lützeroda–Closewitz. Napoleon wird von dem Belgier Jean-Gérald Larcin dargestellt, der seit Jahren in dieser Rolle in ganz Europa unterwegs ist. In Jena kennt man ihn bereits: Bei früheren Jahrestagen war er als französischer Offizier dabei und stand zugleich als Ersatz bereit, falls der Amerikaner Mark Schneider, der den Kaiser hier bisher verkörpert hatte, verhindert gewesen wäre.
„1806 kommt in den napoleonischen Erzählungen kaum vor. Das bemerken wir immer wieder in Museen oder in Filmen und Serien. Dabei hat der Ausgang der Schlachten bei Jena und Auerstedt die deutsche und europäische Geschichte entscheidend geprägt. Wir möchten gern, dass die Menschen in der Region diesen Teil ihrer Geschichte kennen und wissen, welche Folgen ein Krieg in der Weltgeschichte, aber eben auch regional für die zivile Bevölkerung auslösen kann”,
sagt Claudia Behnke-Hermann von der AG Jena 1806 e.V..
„Wir laden unsere Gäste ein, dabei zu sein, wenn in Thüringen Weltgeschichte lebendig wird und wenn Europa sich in Thüringen trifft. Und wir freuen uns, wie viele Vereine und Privatpersonen uns auf dem Gebiet der historischen Schlachtfelder in Jena und Auerstedt in diesem Engagement um das Erinnern und Sichtbarmachen der Ereignisse von 1806 bereits unterstützen."
Umfangreiches Rahmenprogramm
Bereits ab 10:00 Uhr öffnet in Lützeroda der Bauern- und Handwerkermarkt; der Eintritt ist im Ticket für die Gefechtsnachstellung enthalten. In Lützeroda wie auch im Biwak in Vierzehnheiligen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein umfangreiches kulinarisches Angebot. Am Freitag- und Samstagabend zeigt von 18:00 bis 23:00 Uhr eine Fassadenprojektion an der Kirche in Vierzehnheiligen die Ereignisse des Jahres 1806 und die Geschichte des Dorfes in Bildern, Licht und Animationen.
„Die Schlacht hatte 1806 für Jena katastrophale Auswirkungen. Zugleich stellt sie ein welthistorisches Ereignis dar, das uns in besonderer Weise mit unserem Nachbarland Frankreich verbindet und internationale Aufmerksamkeit auf Jena richtet. Gäste aus aller Welt und aus unserer Partnerstadt werden für dieses Ereignis nach Jena reisen – sei es als Besuchende oder Darstellende. Uns ist es besonders wichtig, dass wir dieses Gedenken zum Anlass nehmen, kontextualisiert und länderübergreifend auf die Geschichte zu blicken. Von diesem gemeinsamen historischen Gedenken soll deshalb ein Appell für eine friedliche Welt in unserer Gegenwart ausgehen”,
so Jenas Kulturdezernent Johannes Schleußner.
„Mein herzlicher Dank geht an alle, die in diesem Sinne an der Vorbereitung dieses besonderen Ereignisses beteiligt sind.”
Neues Denkmal wird eingeweiht
Der Sonntag, 18.10.2026, steht im Zeichen des Gedenkens. Nach einem Gedenkgottesdienst um 10:00 Uhr in der Kirche Vierzehnheiligen wird ein neues Denkmal eingeweiht. Es ergänzt das bestehende Hauptdenkmal von 1906 und erinnert an die französischen Offiziere, an die namenlosen Soldaten, an die Menschen in den Dörfern und an die Tiere, die in der Schlacht ums Leben kamen. Gefertigt wurde es aus französischem Kalksandstein vom Jenaer Steinmetzbetrieb Kalus; in seiner Form ist es dem Napoleonstein bei Jena nachempfunden. Gefördert wurde das Denkmal unter anderem aus Lottomitteln des Freistaats Thüringen und von der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland. Zur Einweihung sind Ministerpräsident Mario Voigt sowie zahlreiche weitere Gäste aus Politik und Kultur eingeladen.
„Das Denkmal entsteht in enger Abstimmung mit den Ortschaften und soll ein gemeinsamer Ort des Erinnerns, des Friedens und der europäischen Verständigung werden",
sagt Vereinsvorsitzender Andre Funke. Seit 2022 steht das Motto „Kriege gehören ins Geschichtsbuch" über den Veranstaltungen des Vereins.
„Wir möchten Geschichte erlebbar machen – mit Respekt vor den Opfern und im Bewusstsein, dass Kriege ins Geschichtsbuch gehören, nicht in die Gegenwart",
so Funke.
„So eine Veranstaltung ist nur mit vielen Partnern möglich – den Dörfern, der Stadt Jena, Vereinen und Unterstützern aus der Region. Wir freuen uns über jede helfende Hand",
sagt der stellvertretende Vorsitzende André Hermann.
Touristische Rolle
Auch aus touristischer Sicht spielt das Großereignis für Jena eine besondere Rolle. Für das Veranstaltungswochenende ist die Nachfrage nach Übernachtungsangeboten spürbar erhöht. Bisher sind die Hotels der Stadt jedoch nicht ausgebucht. Erfahrungsgemäß werden zahlreiche Tagesgäste anreisen.
JenaKultur hat das Gedenkwochenende durch den Ticketvorverkauf in der Tourist-Info und die Bewerbung unterstützt. Am Samstag, 17.10.2026, wird außerdem um 10:30 Uhr eine öffentliche Führung zum Thema angeboten. Unter dem Titel „Napoleon, Goethe und die Schlacht von Jena – Eine Zeitreise in das Schicksalsjahr 1806“ führt sie zu ausgewählten Orten der Jenaer Innenstadt und macht die Ereignisse des Jahres 1806 lebendig. Spannende Geschichten, historische Hintergründe und eindrucksvolle Zeitzeugenberichte vermitteln ein anschauliches Bild jener Tage, die das Schicksal Jenas und Europas prägten (https://www.visit-jena.de/eventssport/festivals-feste/schlacht-von-jena-und-auerstedt/).
Das Zeiss-Planetarium zeigt am Freitag, Samstag und Sonntag das Programm „Napoleon – und die Sterne seiner Zeit“. Mit modernster Technik lässt es das Publikum in die Welt von 1806 eintauchen (https://planetarium-jena.de/programm/napoleon-und-die-sterne-seiner-zeit/)
Tickets
Karten für die Gefechtsnachstellung einschließlich Bauernmarkt kosten 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Kinder bis einschließlich 11 Jahren haben freien Eintritt. Der Vorverkauf läuft online über Eventim Light (Link unter www.jena1806.org/jena1806). Die Kontingente sind begrenzt.
Außerdem sind Karten in der Tourist-Information Jena erhältlich. Die Preise im Vorverkauf und an den fünf Tageskassen sind gleich. Da an den Tageskassen nur bar bezahlt werden kann, sollten Wartezeiten an den Parkplätzen und Kassen eingeplant werden. Grundsätzlich wird empfohlen, frühzeitig anzureisen. Wer Tickets im Vorverkauf kauft, kommt schneller aufs Gelände.
Anreise
Besucherinnen und Besucher werden gebeten, die ausgewiesenen Parkplätze in Lützeroda, Closewitz und Vierzehnheiligen oder den ÖPNV aus Richtung Jena zu nutzen. Von Vierzehnheiligen aus ist das Schlachtfeld in etwa 30 Minuten zu Fuß erreichbar. Am Samstag ist Cospeda ganztägig gesperrt, die Ortsdurchfahrt Lützeroda ist wegen des Marktes nicht möglich, und die Zufahrt aus Richtung Jena über das Rautal ist gesperrt. Am Sonntag ist die Ortsdurchfahrt Vierzehnheiligen während der Gedenkveranstaltung gesperrt.