Gemeinsam sichtbar machen, was vor Ort bewegt
Gemeinsam sichtbar machen, was vor Ort bewegt: Landesprogramm stärkt Familien und Nachbarschaft in Jena
Wie aus einem Kindergarten ein lebendiger Treffpunkt für Familien und die gesamte Nachbarschaft wird, zeigt das Thüringer Eltern-Kind-Zentrum (ThEKiZ) »Regenbogen« in Jena-Lobeda. Am Freitag, 9. Oktober 2026, wurde dort eine neue Öffentlichkeitskampagne des Landesprogramms »Solidarisches Zusammenleben der Generationen« (LSZ) vorgestellt. Das Programm unterstützt Kommunen dabei, Familien zu stärken, Begegnungen zu ermöglichen und das Zusammenleben der Generationen zu fördern.
Vertreterinnen des Thüringer Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie besuchten gemeinsam mit Mitarbeitenden der Stadtverwaltung Jena das Eltern-Kind-Zentrum in der Fregestraße. Dr. Stefanie Kretzschmar und Carolin Jost aus dem Referat für Familien- und Seniorenpolitik informierten über die neue Kampagne, die das Landesprogramm und seine vielfältigen Fördermöglichkeiten stärker in der Öffentlichkeit bekannt machen soll.
Das LSZ unterstützt seit 2019 die Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen dabei, familienfreundliche Strukturen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Dabei entscheiden die Kommunen auf Grundlage ihrer eigenen Sozialplanung, welche Angebote vor Ort besonders benötigt werden. Das Spektrum reicht von Familienbildung und Beratung über Begegnungsstätten bis zu generationenübergreifenden Projekten.
Vom Kindergarten zum Begegnungsort für den ganzen Stadtteil
Wie diese Förderung im Alltag wirkt, zeigte sich beim Rundgang durch das ThEKiZ »Regenbogen«. Die kommunale Kindertageseinrichtung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem offenen Begegnungs-, Beratungs- und Bildungsort für Familien und Menschen aus Lobeda-West entwickelt. Seit 2020 ist die Einrichtung in die ThEKiZ-Förderung eingebunden. Nach dem Ende des entsprechenden Sonderprogramms wird ihre zusätzliche familien- und sozialraumorientierte Arbeit über das Landesprogramm LSZ unterstützt. Damit wird auch eine Personalstelle finanziert.
»Wir verstehen uns nicht nur als Kindergarten, sondern als einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Unterstützung finden und selbst aktiv werden können«, erläuterte Einrichtungsleiterin Sabine Ackermann gemeinsam mit ThEKiZ-Koordinatorin Maria Heinke das Konzept.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sprachvermittlung. Gemeinsame Aktivitäten bieten Gelegenheiten, Deutschkenntnisse zu verbessern, Kontakte zu knüpfen und kulturelle Barrieren abzubauen. Dafür stehen unter anderem eine Lehrküche sowie ein Raum für Gymnastik, Kurse und Veranstaltungen zur Verfügung. Die Räume werden bewusst auch für Angebote aus der Nachbarschaft geöffnet.
Die Rezeption übernimmt dabei eine wichtige Funktion als Willkommens- und Informationspunkt. Hier erhalten Familien Orientierung, Informationen zu Angeboten und bei Bedarf Unterstützung bei der Vermittlung an Beratungsstellen. Durch Kooperationen mit weiteren Einrichtungen und Akteuren im Stadtteil entsteht ein Netzwerk, das Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen begleitet.
Wie vielfältig diese Unterstützung sein kann, berichtete beim Besuch eine junge Mutter. Sie nutzt regelmäßig Angebote des Eltern-Kind-Zentrums, insbesondere solche, die Familien nach der Geburt eines Kindes begleiten und unterstützen. Auch ihr Mann hat einen festen Anlaufpunkt gefunden: Er besucht die Grillabende für Männer. Das Beispiel zeigt, wie niedrigschwellige Angebote unterschiedliche Familienmitglieder erreichen und zugleich das nachbarschaftliche Miteinander stärken.
Familienförderung beginnt dort, wo Menschen leben
»Familien brauchen Orte, an denen sie willkommen sind, Unterstützung finden und Gemeinschaft erleben können. Das ThEKiZ Regenbogen zeigt beispielhaft, wie aus einer Kindertageseinrichtung ein lebendiger Treffpunkt für einen ganzen Stadtteil werden kann. Besonders wichtig ist mir, dass hier Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Alter oder ihrer Lebenssituation zusammenkommen. Das Landesprogramm gibt uns die Möglichkeit, solche Angebote gezielt zu fördern und weiterzuentwickeln«, erklärt Kathleen Lützkendorf, Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima der Stadt Jena.
Die Arbeit des ThEKiZ orientiert sich am Thüringer Bildungsplan sowie an pädagogischen Ansätzen wie Reggio, Situationsansatz und Early Excellence. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Kinder und Familien am besten unterstützt werden, wenn ihre individuellen Lebenssituationen berücksichtigt und ihre eigenen Fähigkeiten gestärkt werden.
Mit seiner Öffnung in den Sozialraum übernimmt das » ThEKiZ Regenbogen« damit eine wichtige Funktion für die soziale Infrastruktur in Lobeda-West. Familien werden nicht nur beraten und begleitet, sondern ausdrücklich eingeladen, Angebote mitzugestalten und sich aktiv in das Leben ihres Stadtteils einzubringen.
Jetzt noch Ideen einreichen: Mikroprojekte für Familien und Nachbarschaft
Das Landesprogramm bietet auch die Möglichkeit, kleinere, konkrete Vorhaben als Mikroprojekte fördern zu lassen. Damit können Ideen aus Vereinen, Initiativen und Einrichtungen unterstützt werden, die Familien zugutekommen und das Miteinander vor Ort stärken.
Das können beispielsweise Begegnungsangebote für Familien, gemeinsame Aktionen verschiedener Generationen, Nachbarschaftsprojekte, Bildungs- und Freizeitangebote oder neue Formate sein, die Menschen miteinander in Kontakt bringen. Gerade für kleinere Vorhaben bietet die Förderung die Chance, eine gute Idee unkompliziert in die Praxis umzusetzen.
Für das Förderjahr 2027 können entsprechende Anträge noch bis zum 16. Oktober 2026 bei der Stadt Jena eingereicht werden. Die Stadt lädt deshalb interessierte Träger und Initiativen ausdrücklich dazu ein, die verbleibende Zeit zu nutzen und ihre Projektideen einzubringen.
Informationen zu den Fördermöglichkeiten, Voraussetzungen und zur Antragstellung gibt es im Serviceportal der Stadt Jena.