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Reallabor der Energiewende JenErgieReal startet in die bauliche Umsetzung vor Ort

27.03.2026

Im Forschungsprojekt JenErgieReal wird es konkret: Das Reallabor der Energiewende startet in die bauliche Umsetzung vor Ort. Vorgesehen sind in diesem und im kommenden Jahr Investitionen in Jena und dem Saale-Holzland-Kreis.

Zu den ersten Projektergebnissen von JenErgieReal und den nächsten Schritten informierten heute (27. März 2026) Christian Dornack von den Stadtwerken Jena Netze, Susanne Lippmann von jenawohnen, Lars Liebe von der Stadt Jena sowie Sozialforscher Prof. Ulrich Lakemann im Rahmen eines Pressegespräches.

Geplant ist u.a. der Bau von Batteriespeichern in Göschwitz und Drackendorf, die Errichtung von Elektroladesäulen im Stadtzentrum, im Westviertel und in Winzerla sowie der Einsatz von innovativen Betriebsmitteln zur Versorgung mit Strom und Fernwärme. Die genannten Komponenten sollen digital vernetzt und je nach Situation am Strommarkt intelligent gesteuert werden.

Ausstellung „ENERGIE – WAS UNS BEWEGT“

Einblicke in die Projektarbeit von JenErgieReal gibt die Ausstellung „ENERGIE – WAS UNS BEWEGT“, die an verschiedenen Orten in Jena zu erleben ist. Neben einer Plattform am Engelplatz und Informationsstelen an acht Innovationsstandorten öffnet am 1. April 2026 das EnergieLabor in der Löbderstraße 6 seine Türen. In dem zentralen Showroom werden Erkenntnisse und Innovationen aus dem Reallabor anschaulich präsentiert, Hintergründe der Energiewende erläutert und konkrete Möglichkeiten der Mitgestaltung aufgezeigt.

Reallabor der Energiewende

JenErgieReal ist ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Reallabor der Energiewende. Es entwickelt und erprobt Lösungen, wie die Energiewende in Städten bedarfsgerecht und kostengünstig gelingen kann.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt bearbeitet das Thema auf mehreren Ebenen.

  • Gebäude und Wohnungen: In einem Modellquartier am Salvador-Allende-Platz in Lobeda-Ost erproben die Verbundpartner intelligente Lösungen zur Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu optimieren, um CO2-Emissionen zu reduzieren und die Betriebskosten für die Mieter zu stabilisieren.
  • Städtisches Versorgungsnetz: Um Überlastungen im Stromnetz zu vermeiden, sollen Energieangebote und -bedarfe intelligent aufeinander abgestimmt werden. Dafür ist der Aufbau eines virtuellen Kraftwerks geplant. Erzeuger, Verbraucher und Speicher von Strom und Wärme werden digital vernetzt und steuerbar gemacht.
  • Sozialforschung: Begleitet wird das Projekt von umfangreicher Sozialforschung zur Akzeptanz der Energiewende.
  • Teilhabe: Die Ausstellung „ENERGIE – WAS UNS BEWEGT informiert über Aspekte und Herausforderungen der Energiewende, über erste Ergebnisse der Projektarbeit und lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Energiewende selbst mitzugestalten.

Interdisziplinären Verbundprojekt JenErgieReal 

An dem interdisziplinären Verbundprojekt JenErgieReal sind die Stadtwerke Jena Netze, Stadtwerke Energie Jena-Pößneck, jenawohnen, Westsächsische Hochschule Zwickau, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Stadt Jena, AWO Mitte-West-Thüringen und BRUNATA-METRONA beteiligt.

JenErgieReal hatte mit zunächst theoretischen Betrachtungen und Machbarkeitsanalysen im Jahr 2022 begonnen. Baustart der Sanierungsarbeiten am Modellquartier Salvador-Allende-Platz war im Oktober 2023. In diesem Jahr startet nun die konkrete Umsetzung für das virtuelle Kraftwerk. Das Projekt soll bis Herbst 2027 abgeschlossen sein. Das Reallabor umfasst ein Projektvolumen für Forschung und Investitionen in Höhe von 40 Millionen Euro, davon 20 Millionen Euro aus Fördermitteln des Bundes.

 

Themen und Schwerpunkte im Projekt JenErgieReal 

Im Rahmen von JenErgieReal führte die Ernst-Abbe-Hochschule im Jahr 2024 eine breit angelegte Umfrage unter der Jenaer Bevölkerung durch, an der sich 2.045 Menschen beteiligt haben. Die Stichprobe ergab bis auf wenige Abweichungen einen repräsentativen Querschnitt durch die Jenaer Bevölkerung, berichtet der inzwischen emeritierte Sozialforscher Prof. Dr. Ulrich Lakemann.

Folgende Ergebnisse ergab die Befragung unter den Menschen in Jena:

  • 69 Prozent machen sich sehr große/große Sorgen über Folgen des Klimawandels
  • 42 Prozent erwarten für sich persönlich weder Vor- noch Nachteile aus der Energiewende, 35 Prozent erwarten eher Nachteile und 23 Prozent eher Vorteile.
  • für 72 Prozent ist es wichtig/sehr wichtig, dass Strom und Wärme umweltfreundlich erzeugt werden
  • Engpässe in der Stromversorgung befürchten die Menschen eher nicht: 53 Prozent stimmten dieser Aussage überwiegend nicht/überhaupt nicht zu
  • Die Menschen achten auf sparsamen Strom- (84 %) bzw. Wärmeverbrauch (86 %) (stimmen vollkommen/überwiegend zu)
  • 70 Prozent nutzen verbrauchsarme Geräte oder schalten Geräte bewusst aus, um Strom zu sparen (trifft überwiegend/vollkommen zu)
  • 38 Prozent schränken ihren Komfort ein, um Energie zu sparen (trifft vollkommen/überwiegend zu), 31 Prozent sind dazu teilweise bereit, ebenfalls 31 Prozent überwiegend nicht/überhaupt nicht
  • 49 Prozent der Befragten haben großes/sehr großes Interesse an neuen Technologien zu Energieverbrauch und Energieversorgung im Haushalt (Heizung, Warmwasser, Strom)

Seit 2023 wird der Plattenbaukomplex am Salvador-Allende-Platz 9 bis 23 in Lobeda-Ost umfassend saniert. Bis Anfang 2028 entstehen hier insgesamt 292 Wohnungen mit ein bis sechs Zimmern im mietpreisgebundenen Segment. Die ersten Bauabschnitte sind abgeschlossen, die ersten Mieter eingezogen.

Die Gebäude dienen als Modellquartier für JenErgieReal, in dem neue Technologien für eine klimafreundliche und gleichzeitig bezahlbare Energieversorgung im Alltag erprobt werden. Ziel ist es, die Versorgung mit Wärme und Warmwasser effizienter zu machen, den Energieverbrauch senken und den CO2- Ausstoß zu verringern, erläutert Susanne Lippmann, Bereichsleiterin Technisches Management bei jenawohnen. 

Folgende intelligente Komponenten sind im Modellquartier verbaut:

  1. Gebäudeversorgung:

  • Eine intelligente Hausanschlussstation (iHAST) passt den Fernwärmebezug aus dem öffentlichen Netz dynamisch an den tatsächlichen Bedarf im Gebäude an.
  • Eine Wärmepumpe nutzt die Abwärme aus der Kühlung des Trinkwassers zum Heizen und für die Warmwasserbereitung – gesteuert von der iHAST.
  • Eine Wärmepumpe nutzt die Abwärme aus dem Abwasser der Mieter zum Heizen und für die Warmwasserbereitung – gesteuert von der iHAST.  
  1. Wohnungsausstattung: 

  • Eine digitale Heizungssteuerung unterstützt die Mieterinnen und Mieter dabei, den Wärmeverbrauch zu senken.
  • Intelligente Heizkostenverteiler und digitale Stellantriebe an den Heizkörpern passen den Wärmebezug der Wohnung an den aktuellen Bedarf an.
  • Smarte Fenstergriffe beziehen das Lüftungsverhalten der Mieterinnen und Mieter in die Heizungssteuerung einbeziehen.
  • Photovoltaikanlagen an den Balkonen ermöglichen die Direktnutzung des erzeugten Solarstroms durch die Mieterinnen und Mieter.

Mit dem Abschied von fossilen Energieträgern wie Gas und Benzin wird zunehmend Strom zum Heizen (Wärmepumpe) und Fahren (Elektroautos) genutzt. In der Folge steigt der Strombedarf insgesamt an. Vor allem aber verändert sich der Leistungsbedarf im Stromnetz und es entstehen multiple, stetig neue Spitzenlastzeiten: Im Wesentlichen dann, wenn die Menschen zuhause sind, ihre Wohnungen heizen und ihre Autos laden wollen.

Gleichzeitig erfolgt die Stromerzeugung zunehmend dezentral und aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne), welche zeitlich und saisonal schwankend zur Verfügung stehen. So wird z.B. gerade in der Mittagszeit viel Sonnenstrom eingespeist, wenn die Menschen nicht zuhause sind und die Nachfrage gering ist. Zeiten von hoher Nachfrage und von Stromüberschüssen im Netz wechseln in schneller Folge. Verteilernetze müssen nicht nur für die Entnahme, sondern auch für Einspeisung und Transport von Energie ausgelegt sein.

Diese grundsätzliche Herausforderung der Energiewende möchte JenErgieReal nicht durch einen regulären Netzausbau, sondern durch intelligente Steuerung lösen, schildert Christian Dornack, Bereichsleiter Strategie bei den Stadtwerken Jena Netze.

Vorgesehen ist es, vorhandene und neu zu errichtende Anlagen zum Verbrauch, zur Erzeugung und zur Speicherung von Strom und Wärme digital zu vernetzen. Gemeinsam bilden sie ein virtuelles Kraftwerk, das je nach aktueller Situation im Stromnetz technisch und wirtschaftlich sinnvoll gesteuert werden kann. Der Aufbau der Anlagen und der notwendigen Infrastruktur beginnt in diesem Jahr. Bis Herbst 2027 soll das virtuelle Kraftwerk für ausgewählte Anwendungsfälle in den Probebetrieb starten.

Folgende Energieanlagen werden in Jena und Saale-Holzland-Kreis errichtet:

  • Zehn Ladestationen für Elektrofahrzeuge unterschiedlicher Ladeleistung – vom Laternenladen mit einer Leistung von 3,7 kW bis zum Schnelllader mit 200 kW. 
    Erste Anlagen sind in der Dornburger Straße/Schützenhofstraße bereits in Betrieb, weitere Standorte sind in Planung oder bereits in Umsetzung.
  • Aufbau einer Schnellladesäule mit Batterie-Pufferspeicher am Bahnhof Göschwitz. Die Umsetzung ist im Rahmen der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes ab Herbst 2026 geplant.
  • Bau eines Quartiers-Batteriespeichers für den Ortsteil Drackendorf. Angesichts der schwankenden Stromeinspeisungen und Strombedarfe in dem Wohngebiet soll der Speicher netzentlastend wirken und dabei unterstützen, die Versorgungsqualität aufrecht zu erhalten. Die Umsetzung ist im Jahr 2027 geplant.
  • Bau eines Groß-Batteriespeichers am Solarpark der BürgerEnergie Jena in Göritzberg im Saale-Holzland-Kreis. Die Anlage soll durch die zeitlich versetzte Einspeisung des erzeugten Sonnenstroms netzentlastend wirken. Die zeitlich versetzte Vermarktung des Sonnenstroms soll zu Preisvorteilen führen. Die Umsetzung ist im Jahr 2027 geplant.
  • Bau von Batteriespeichern für den Jenaer Nahverkehr. Denkbar ist ein Speichereinsatz zur Optimierung des Energieverbrauches auf dem Betriebshof in Burgau und/oder an den Gleichrichterunterwerken im Straßenbahnnetz. Aktuell läuft die Konzeptphase. Eine Umsetzung kann frühestens 2027 beginnen.
  • Integration von vier intelligenten Hausanschlussstationen (iHAST) für die Fernwärme in das virtuelle Kraftwerk. Umsetzung läuft bereits.
  • Integration von drei regelbaren Ortsnetztransformatoren (rONT) in die Verteilnetze von Göttern, Großlöbichau und Drackendorf (Am oberen Freiberg). Diese sollen angesichts der schwankenden Stromeinspeisungen und Strombedarfe in den Wohngebieten netzentlastend wirken. Umsetzung ab Mitte 2026.
  • Aufbau einer digitalen Infrastruktur, die alle diese Komponenten zusammenführt und in Form eines Virtuellen Kraftwerks steuerbar macht. Eine Datendrehscheibe empfängt Echtzeit- und Prognosedaten, z.B. zur Auslastung des Stromnetzes und der jeweiligen Anlagen, zu Wetterprognosen und Börsenpreisen für Energie. Sie leitet Steuerbefehle ab für die integrierten Komponenten und sendet diese an die Anlagen.

Die Möglichkeiten und komplexen Herausforderungen der Energiewende zu erklären und den Menschen verständlich zu präsentieren, ist das Ziel der dreiteiligen Ausstellung „ENERGIE – WAS UNS BEWEGT“. Nach der Plattform auf dem Engelplatz ist ab Mittwoch, 01.04.2026auch das EnergieLabor, der zentrale Showroom der Ausstellung, in der Löbderstraße 6 für die Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Die Ausstellung macht die Erkenntnisse und innovativen Lösungen aus dem Reallabor der Energiewende JenErgieReal sichtbar und zeigt, wie die Energieversorgung der Zukunft in Jena schon heute Gestalt annimmt, schildert Lars Liebe, Fachdienstleiter Stadtentwicklung bei der Stadt Jena.

Im EnergieLabor werden innovative Technologien anschaulich präsentiert. Die Besucherinnen und Besucher können interaktiv erkunden, wie die intelligente Steuerung von Anlagen zur Erzeugung, zum Verbrauch und zur Speicherung von Strom und Wärme zur nachhaltigen Energieversorgung beitragen kann. Gleichzeitig zeigt das EnergieLabor Hintergründe der Energiewende – von der Entwicklung der Energienutzung über die lokalen Klimaeffekte in Jena bis zum Mehrwert regenerativer Energien für Umwelt und Mensch. Darüber hinaus können Besucherinnen und Besucher konkrete Möglichkeiten der Mitgestaltung entdecken: Vom Reduzieren der eigenen CO₂-Bilanz über die Erkundung neuer Berufsfelder bis hin zum gesellschaftlichen Engagement.

Folgende Elemente umfasst die Ausstellung „ENERGIE – WAS UNS BEWEGT“:

  • EnergieLabor in der Löbderstraße 6
    • geöffnet Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr sowie zu Veranstaltungen
    • Führungen dienstags und donnerstags um 15 Uhr sowie nach Vereinbarung
  • Plattform am Engelplatz
    • seit Mitte März eröffnet
    • ganzjährig frei zugänglich
  • acht Innovationsstandorte im Stadtraum
    • Stelen mit Informationstexten und QR-Codes zu vertiefenden Inhalten
    • stellen die innovativen Energielösungen des Reallabors konkret vor Ort vor (noch im Aufbau)