Stellungnahme der Stadtspitze zum Ausscheiden von Matthias Stein aus dem Fanprojekt Jena
Die Stadtspitze der Stadt Jena bewertet das Ausscheiden des langjährigen Projektleiters Matthias Stein aus dem Trägerverein des Fanprojekts Jena e.V. als eine Entwicklung von erheblicher Tragweite. Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, Bürgermeister Benjamin Koppe und Bildungsdezernent Johannes Schleußner sehen darin einen Einschnitt, der vor dem Hintergrund der strukturellen Entwicklungen der vergangenen Jahre besonders kritisch zu bewerten ist.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche erklärt:
„Fanprojekte sind ein anerkannter Bestandteil der Jugendhilfe und erfüllen eine wichtige Funktion in der Prävention und sozialen Arbeit. Ihre Grundlage bildet das Nationale Konzept Sport und Sicherheit, das bundeseinheitliche fachliche Standards definiert. Dieses verlangt ausdrücklich eine fachlich unabhängige und institutionell eigenständige sozialpädagogische Arbeit, die frei von strukturellen Einflussnahmen aus der Fanszene erfolgen muss. Diese Unabhängigkeit ist keine abstrakte Zielsetzung, sondern eine zwingende Voraussetzung für die fachliche Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der Fanarbeit.“
Bürgermeister Benjamin Koppe würdigt die außergewöhnlichen Verdienste von Matthias Stein und ordnet die Entwicklung zugleich klar ein:
„Matthias Stein hat das Fanprojekt Jena über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und geprägt. Sein Engagement, seine fachliche Kompetenz und seine persönliche Integrität haben diese Arbeit in unserer Stadt entscheidend gestaltet. Als Träger des Preises für Zivilcourage der Stadt Jena steht er in besonderer Weise für Verantwortung, Haltung und gesellschaftliches Engagement. Die Stadt Jena, aber auch der Trägerverein selbst, verdanken ihm folglich außerordentlich viel.“
Gerade vor diesem Hintergrund bewertet Koppe die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge:
„Dass Matthias Stein unter den gegebenen Umständen seine Tätigkeit im Trägerverein beenden muss, erfüllt mich mit großem Unverständnis. Diese Entwicklung ist nicht isoliert zu betrachten. Sie steht im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen innerhalb des Trägervereins und seines Umfelds in den vergangenen Jahren, die zunehmend Anlass zu ernsthaften Bedenken gegeben haben.“
Koppe spricht dabei ausdrücklich die Bedeutung institutioneller Unabhängigkeit und professioneller Distanz an:
„Die fachlichen Standards der Fanarbeit verlangen eine klare institutionelle Unabhängigkeit und ein professionelles Nähe-Distanz-Verhältnis zur Fanszene. Sozialpädagogische Arbeit kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie frei von Einflussnahmen sowie frei von direktem oder indirektem Druck erfolgt. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre lassen jedoch ein Nähe Distanz Problem erkennen, das mit den anerkannten fachlichen Anforderungen an unabhängige sozialpädagogische Arbeit nicht vereinbar ist. Der Eindruck, dass auf verantwortliche Akteure struktureller Druck ausgeübt wurde, ist in diesem Zusammenhang besonders besorgniserregend.“
Bildungsdezernent Johannes Schleußner betont die Verantwortung für stabile und fachlich belastbare Rahmenbedingungen:
„Die sozialpädagogische Fanarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit in unserer Stadt. Ihre langfristige Wirksamkeit setzt stabile, unabhängige und fachlich tragfähige Strukturen voraus. Vor dem Hintergrund der aktuellen Anforderungen ist es unser gemeinsamer Auftrag sicherzustellen, dass die an die Strukturen gestellten Qualitätsstandards zuverlässig erfüllt werden.“
Jenas Stadtspitze stellt klar, dass die Sicherung einer unabhängigen sozialpädagogischen Fanarbeit oberste Priorität hat. Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, Bürgermeister Benjamin Koppe und Bildungsdezernent Johannes Schleußner erklären abschließend:
„Das Ausscheiden von Matthias Stein markiert einen Einschnitt, der die bestehenden strukturellen Fragen mit neuer Deutlichkeit sichtbar macht. Für die Stadt Jena ist entscheidend, dass sozialpädagogische Fanarbeit dauerhaft unabhängig, professionell und frei von strukturellem oder gruppenbezogenem Einfluss erfolgen kann. Die aktuellen Entwicklungen bestätigen, dass die bestehenden Strukturen und Rahmenbedingungen im laufenden Prozess kritisch überprüft und neu bewertet werden müssen. Maßstab unseres Handelns ist dabei allein die Sicherung einer glaubwürdigen, unabhängigen und zukunftsfähigen Fanarbeit.“