Zwei Jahre JEDI und ProbierLaden
Digitalisierung braucht mehr als Technik und digitale Anwendungen. Sie braucht auch Orte, an denen Menschen Fragen stellen, Neues ausprobieren, voneinander lernen und eigene Ideen entwickeln können. Im Rahmen seiner Reihe „Jena im Einsatz“ besuchte Bürgermeister und Digitalisierungsdezernent Benjamin Koppe am 16. September den ProbierLaden am Engelplatz und anschließend den JEDI im Postcarrée.
Beide Einrichtungen sind im Rahmen des Smart City Projektes Jena entstanden, richten sich jedoch an unterschiedliche Zielgruppen mit demselben Ansatz: Der ProbierLaden wird in Kooperation mit der Volkshochschule Jena umgesetzt und unterstützt vor allem Menschen, die bislang wenig Erfahrung mit digitalen Technologien haben und sich grundlegende digitale Kompetenzen aneignen möchten. Mit niedrigschwelligen Angeboten hilft er dabei, Berührungsängste abzubauen und digitale Teilhabe zu ermöglichen. Der JEDI richtet sich dagegen an Menschen mit bereits vorhandenen digitalen Kenntnissen – insbesondere an Fachkräfte und Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft. Im Mittelpunkt stehen die Aus- und Weiterbildung, Qualifizierung, Vernetzung, Innovation und die Entwicklung neuer digitaler Ideen. So ergänzen sich beide Orte: vom Einstieg in die digitale Welt bis zur fachlichen Weiterentwicklung und gemeinsamen Gestaltung digitaler Lösungen.
„Digitale Angebote müssen für die Menschen einen konkreten Nutzen haben und im Alltag funktionieren. Gleichzeitig braucht es Orte, an denen Unterstützung zu finden ist, Neues ausprobiert, Wissen geteilt und miteinander ins Gespräch gekommen werden kann. So entstehen Zugänge zu digitalen Angeboten, aber auch Raum für neue Ideen und Entwicklungen. Der ProbierLaden und der JEDI setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte und zeigen, wie vielfältig digitale Teilhabe und digitale Entwicklung in unserer Stadt sein können“, sagt Bürgermeister und Digitalisierungsdezernent Benjamin Koppe.
ProbierLaden: Digitalisierung zum Anfassen
Erste Station des Besuchs war der ProbierLaden am Engelplatz. Am 26. September besteht die Einrichtung seit zwei Jahren. In dieser Zeit hat sie sich als niedrigschwellige Anlaufstelle für Fragen rund um Smartphone, Computer, Apps und digitale Anwendungen etabliert.
Der ProbierLaden erreichte bis zum 7. September 6.979 Personen. Wie groß der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung ist, zeigen die Zahlen: 5.474 Menschen nutzen eine individuelle 1-zu-1-Beratung, weitere 1.505 nahmen an Bildungsangeboten wie Kursen oder Informationsabenden teil. Mit dem ProbierMobil wurden zusätzlich 740 Menschen erreicht.
Besonders deutlich wird der Bedarf bei älteren Menschen: Rund 79 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sind 66 Jahre oder älter. Etwa 14 Prozent gehören zur Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren, rund sieben Prozent sind jünger als 35 Jahre. Jüngere Besucherinnen und Besucher nutzen die Angebote dabei häufig gemeinsam mit ihren Familien.
Die Beratungsthemen spiegeln den digitalen Alltag wider: Bei älteren Besucherinnen und Besuchern geht es häufig um Smartphones, Apps, Passwörter und Datensicherheit, Online-Banking oder den Computer. Jüngere Zielgruppen interessieren sich unter anderem für smarte Geräte, Künstliche Intelligenz, 3D-Druck oder medienpädagogische Fragen.
Neben der individuellen Beratung bietet der ProbierLaden ein umfangreiches Bildungsprogramm mit wöchentlichem PC-Café, regelmäßigen Einstiegskursen und zwei bis drei Informationsabenden pro Monat, etwa zu Datenschutz, Künstlicher Intelligenz oder dem Online-Ausweis. Weitere Angebote entstehen nach aktuellem Bedarf. Dafür arbeitet das Team unter anderem mit der Verbraucherzentrale, der Polizei, den Bürgerdiensten und freiberuflichen Medienbildnerinnen und Medienbildnern sowie weiteren Trägern zusammen.
„Die hohe Nachfrage im ProbierLaden zeigt, dass es einen konkreten Bedarf an persönlicher Unterstützung bei digitalen Fragen gibt. Neue Geräte, Anwendungen und digitale Dienste entwickeln sich schnell und sind nicht für jeden gleichermaßen selbstverständlich. Umso wichtiger sind niedrigschwellige Angebote, bei denen Fragen gestellt und ganz praktische Hilfestellungen gegeben werden können. Das hilft dabei, mehr Sicherheit im Umgang mit digitalen Angeboten zu gewinnen und sich im digitalen Alltag besser zurechtzufinden“, so Koppe.
JEDI: Rund 8.500 Teilnahmen und eine gewachsene digitale Community
Anschließend führte die Tour in den JEDI – Jena Digital Innovation Hub im Postcarrée, der im August sein zweijähriges Bestehen gefeiert hat. Der JEDI wird im Rahmen des Smart City Projektes gemeinsam mit dem Verein für Digitale Wirtschaft & Wissenschaft Jena Digital e. V. erfolgreich betrieben. Während im ProbierLaden die Unterstützung im digitalen Alltag im Mittelpunkt steht, bringt der JEDI Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft zusammen. Im Fokus stehen digitale Innovationen, Wissenstransfer, Vernetzung und der Aufbau digitaler Kompetenzen.
Seit seiner Eröffnung haben dort rund 300 Veranstaltungen mit rund 8.500 Teilnahmen stattgefunden (– durchschnittlich etwa zwölf pro Monat). Die Themen reichen von Smart City, Künstlicher Intelligenz und Softwareentwicklung über Open Source, Cybersecurity und Extended Reality bis hin zu Startup-Gründung und digitaler Bildung.
Schülerinnen und Schüler sowie Studierende kommen hier mit digitalen Technologien, Berufsbildern und Unternehmen in Kontakt. Fachkräfte und Unternehmen nutzen den Ort für Austausch, Weiterbildung und Vernetzung. Start-ups finden Zugang zu Netzwerken, Wissen und Kooperationspartnern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen Forschung und neue Technologien in den Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft ein. Auch Verwaltung und Politik nutzen den JEDI als Ort für Dialog, Wissenstransfer und die gemeinsame Entwicklung digitaler Lösungen.
Regelmäßige Fachgruppen, Meetups und Veranstaltungsformate haben zugleich eine Community entstehen lassen, die den Ort kontinuierlich nutzt und weiterentwickelt.
Auch externe Akteure nutzen den JEDI für eigene Veranstaltungen und Kooperationen. Dazu zählen u.a. die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Ernst-Abbe-Hochschule Jena sowie lokale Unternehmen der Digitalwirtschaft.
Inhaltlich beschäftigen die Community insbesondere Fragen, die für die digitale Entwicklung der Stadt und des Standortes relevant sind: Wie lässt sich souveräne Künstliche Intelligenz konkret und verantwortungsvoll einsetzen? Wie gelangen neue Technologien und Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung? Wie entstehen daraus neue Produkte, Geschäftsmodelle und Kooperationen? Und wie können Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft gemeinsam digitale Lösungen entwickeln, um die Wertschöpfung am Standort Jena zu erhöhen?
Formate wie Seminare für Studierende, Hackathons, Girls’ Day oder Code Week schaffen dafür Möglichkeiten zum Lernen und Experimentieren. Der JEDI ist damit nicht nur Veranstaltungsort, sondern Treffpunkt und Experimentierraum für Jenas Digital- und Innovationsökosystem.
„ProbierLaden und JEDI zeigen sehr anschaulich, wie unterschiedlich die Zugänge zu Digitalisierung sein können. Der eine Ort setzt bei ganz konkreten Fragen im Alltag an, der andere bei Bildung, Innovation und neuen Ideen. Beides gehört für uns zusammen: Digitalisierung muss verständlich und zugänglich sein, gleichzeitig aber auch Räume schaffen, in denen Neues entstehen kann. Mit Blick auf das Ende der Förderphase geht es jetzt zunehmend auch darum, genau hinzuschauen: Was hat sich bewährt, wo besteht ein dauerhafter Bedarf und wie können erfolgreiche Ansätze perspektivisch weitergeführt werden?“, betont Dorothea Prell, Smart-City-Beauftragte und Gesamtprojektleiterin Smart City Jena.
Zwei Orte, ein gemeinsamer Ansatz
Nach jeweils rund zwei Jahren Betrieb liefern beide Orte zugleich wichtige Erfahrungen für die weitere Entwicklung des Smart City Projektes. Die hohe Nutzung, die unterschiedlichen Zielgruppen und die gewachsenen Kooperationen zeigen, welche Bedarfe bestehen und welche Angebote angenommen werden. Diese Erfahrungen fließen nun auch in die Überlegungen ein, welche erfolgreichen Strukturen und Formate über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben können.
Beide Einrichtungen stehen damit für einen zentralen Ansatz des Smart City Projektes Jena: Eine digitale Stadt entsteht nicht allein durch Daten, technische Infrastruktur und neue Anwendungen. Sie braucht Menschen, die diese Entwicklungen verstehen, nutzen und mitgestalten können – und analoge Orte, an denen Begegnung, Lernen und Austausch möglich sind.
„Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass beide Angebote angenommen werden und einen konkreten Bedarf treffen. Unser Ziel ist deshalb, Perspektiven zu schaffen, damit erfolgreiche Strukturen wie der ProbierLaden und der JEDI auch über die Förderphase hinaus weitergeführt werden können. Daran arbeiten wir derzeit mit Nachdruck“, sagt Bürgermeister und Digitalisierungsdezernent Benjamin Koppe.
Mit der Reihe „Jena im Einsatz“ besucht Bürgermeister Benjamin Koppe regelmäßig Einrichtungen, Projekte und Akteure, die für das Funktionieren und die Weiterentwicklung der Stadt eine wichtige Rolle spielen. Im Mittelpunkt stehen der direkte Austausch mit den Menschen vor Ort und Einblicke in ihre tägliche Arbeit.