Gedenken an den Todesmarsches durch Jena mit Steleneinweihung zur Erinnerung ans Zwangsarbeitslager
Rede des Oberbürgermeisters
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzliches Willkommen allen Gästen zum diesjährigen Gedenken an die Opfer des Todesmarsches, der am 11. April 1945 durch Jena führte.
Ich begrüße sehr herzlich Herrn Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Lieber Herr Prof. Dr. Wagner, herzlich willkommen, schön, dass Sie heute wieder hier dabei sind!
Sehr geehrter Herr Dr. Rug, sehr geehrter Herr Nauschütz, liebe Mitglieder des Arbeitskreises Sprechende Vergangenheit. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Todesmarsch durch Jena wie zahlreiche andere NS-Verbrechen in unserer Stadt nicht vergessen sind. Seien Sie herzlich willkommen!
Sehr geehrter, lieber Bastian Stein, Ortsteilbürgermeister hier in Wenigenjena (seine Anwesenheit steht noch unter Vorbehalt!), liebe Daniela Gruber, liebe Mitglieder des hiesigen Ortsteilrates – herzlich willkommen!
Liebe Gäste,
an dieser Stelle hätte ich gerne auch die Nachfahren von Robert Büchler, Überlebender des Todesmarsches, begrüßt. Wegen des Iran-Krieges konnten Sie aus Israel leider nicht anreisen. Sie wären sehr, sehr gerne hier dabei gewesen so wie im letzten Jahr, als wir dieser Straße den Namen Robert-Büchler-Weg gaben. Doch leider war es nicht möglich.
Liebe Damen und Herren,
ich freue mich sehr, dass das Gedenken am bzw. um den 11. April ein fester Bestandteil unseres städtischen Kalenders geworden ist. Vor nun fünf Jahren konnte auf Initiative des Arbeitskreises an der Camsdorfer Brücke eine erste Stele eingeweiht werden, die an den Todesmarsch erinnert.
2022 konnte auf dem Ostfriedhof die neu hergerichtete Grabstätte für die Todesopfer des Todesmarsches in Jena eingeweiht werden. 2023 erfolgte die Einweihung der Stele an der Karl-Liebknecht-Straße, die v.a. an Robert Büchler erinnert, und im vergangenen Jahr die Namengebung an dieser Straße, beides mit Kindern und Enkelkindern von Robert Büchler.
Auch heute gibt es mit der Einweihung einer weiteren Stele an dieser Stelle ein besonderes Ereignis. Diese Stele erinnert an das Zwangsarbeitslager auf dem Sportgelände hier und wurde initiiert von Daniela Gruber, die nachher auch sprechen wird, und dem Ortsteilrat Wenigenjena.
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit geraumer Zeit beschäftigt uns immer mehr die Frage, wie das Erinnern und Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus lebendig gehalten werden können, wenn in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen von damals mehr am Leben sind.
Gestern Abend wurden im Rathaus die Lebenserinnerungen von Robert Büchler, die nun als Buch in deutscher Sprache vorliegen, der Öffentlichkeit vorgestellt.
Hierin erzählt er von seiner behüteten Kindheit und Jugend im slowakischen Topol’čany (sprich: Topoltschani). Er berichtet von der schleichend beginnenden Diskriminierung und Ausgrenzung, weil er und seine Familie Juden sind, und der letztlichen Deportation nach Auschwitz, die er als einziger seiner Familie überlebte.
Es geht beim Erinnern und Gedenken nicht nur darum, die Ereignisse vor nunmehr über 80 Jahren nicht zu vergessen, sondern das Wissen darum lebendig zu halten. Nur wenn es uns menschlich berührt und so eine wirksame Mahnung bleibt, kann es wirksam werden, damit sich Verbrechen, wie sie in der Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden, nicht wiederholen.
Die Lebenserinnerungen von Robert Büchler sind hier besonders wertvoll, weil sie uns eine Mahnung sind, dass der Verletzung der menschlichen Würde immer das Potenzial innewohnt, noch mehr zu diskriminieren und auszugrenzen. Die Übergänge zu Verbrechen sind dann fließend und vielfältig. Hiergegen müssen wir wachsam sein und handeln.
Der Todesmarsch durch Jena war das letzte große NS-Verbrechen in dieser Stadt. Tags darauf wurde Jena von den Amerikanern befreit. Für Robert Büchler war der Todesmarsch durch Jena ein grauenvolles Ereignis wie für tausende andere Häftlinge. Seine Befreiung wenige Kilometer von hier und seine Rückkehr in unsere Stadt, 1945 und insbesondere dann in seinen späten Lebensjahren, waren und sind ein Glücksfall für unsere Stadt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie bereits gesagt, werden wir heute hier eine weitere Informationsstele der Öffentlichkeit übergeben. Doch zunächst wird Prof. Wagner über Zwangsarbeit im NS-Regime insgesamt sprechen.
Dann hören wir nochmals das Dirk-Wasmund-Trio, bevor Luca Nauschütz vom Arbeitskreis Sprechende Vergangenheit aus den erwähnten Lebenserinnerungen von Robert Büchler und seinem Bezug zu diesem Ort lesen wird.
Daniela Gruber informiert uns dann über das hiesige Zwangsarbeitslager und stellt uns die neue Stele vor, bevor wir sie gemeinsam enthüllen.